Geschlechtskrankheiten

Humane Papillomviren: Alles Wichtige zur HPV-Infektion

Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2019

Seit dem Jahr 2018 empfiehlt die STIKO für alle Mädchen und Jungen eine Impfung gegen die Humanen Papillomviren. Das Ziel ist es, möglichst viele Frauen vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen, der von einem HP-Virus ausgelöst werden kann. Doch nicht jede HPV-Infektion führt zu Krebs.

In den Medien ist immer wieder von einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs die Rede. Ärzte sprechen vom Zervixkarzinom. Wissenschaftler konnten belegen, dass Humane Papillomviren (HPV) ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von verschiedenen Krebsarten sind. Die sexuell übertragbaren Viren können die Geschlechtsorgane infizieren und dort je nach Virustyp gutartige Feigwarzen bilden oder Karzinome auslösen. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, Mädchen und Jungen vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen eine Vielzahl an HPV-Typen zu impfen und so vor einer Infektion zu schützen.

Fast jeder kommt in Kontakt: Humane Papillomviren in Zahlen

Fast jeder kommt in Kontakt: Humane Papillomviren in Zahlen

Bis zu 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen und Männer haben mindestens einmal in ihrem Leben Kontakt mit dem HP-Virus. Da eine Infektion mit den Humanen Papillomviren in der Regel keine Symptome verursacht, merken die Betroffenen nichts davon.

Bei neun von zehn Frauen heilt die Infektion nach spätestens zwei Jahren von allein aus. Bei circa zehn Prozent der Patientinnen bleibt das Virus im Körper und kann die Zellen am Gebärmutterhals verändern. Ein bis drei Prozent dieser betroffenen Frauen entwickeln in den folgenden zehn Jahren ein Zervixkarzinom. In Deutschland sind das jährlich ungefähr 5000 Betroffene, von denen um die 1600 an der Krankheit versterben.

Wie du dich mit HPV infizieren kannst

Wie du dich mit HPV infizieren kannst

Um die 40 HPV-Typen bringen Wissenschaftler mit genitalen Erkrankungen in Verbindung. Sie werden meist bei direktem Haut- und Schleimhautkontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen. Aber auch verunreinigte Gegenstände können eine Infektion verursachen. Eine Übertragung der Viren von Mutter zu Kind unter der Geburt ist ebenfalls möglich. Kinderärzte haben in vereinzelten Fällen im Anschluss eine Bildung von Papillomen zum Beispiel am Kehlkopf des Kindes beobachtet.

Humane Papillomviren gibt es auf der ganzen Welt. Das höchste Infektionsrisiko tragen junge Mädchen und Frauen unter 25 Jahren. Ihre Vaginalschleimhaut ist anfällig für kleinste Verletzungen beim Geschlechtsverkehr, die dem HPV dann den Infektionsweg erleichtern.

Können Kondome vor HPV schützen?

Können Kondome vor HPV schützen?

Der sicherste Weg, sich vor einer Infektion mit Humanen Papillomviren und deren Folgen zu schützen, ist die HPV-Impfung, kombiniert mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt.

Kondome bieten einen guten Schutz gegen zahlreiche Geschlechtskrankheiten. Bei den Humanen Papillomviren sprechen Mediziner im Zusammenhang mit Kondomen allerdings lediglich von einer Sicherheit um die 50 Prozent. HP-Viren können sich im gesamten Schambereich aufhalten und sich aktiv bis in die Scheide ausbreiten. Von dort steigen sie dann zum Muttermund auf.

Welche Symptome können Humane Papillomviren auslösen?

Welche Symptome können Humane Papillomviren auslösen?

Eine frische HPV-Infektion fällt nicht weiter auf. Erst mit der Zeit entwickeln sich durch den Einfluss der verschiedenen Virustypen Hautwarzen oder Genitalwarzen.

Hautwarzen oder Papillome

Hautwarzen können an Armen und Beinen, im Gesicht sowie selten an anderen Körperstellen auftreten. Viele Menschen empfinden die kleinen Papillome als störend. Eine Gefährdung für die Gesundheit stellen die Hautveränderungen nicht dar. Forscher sind aber den Humanen Papillomviren als mögliche Auslöser von weißem Hautkrebs auf der Spur.

Genitalwarzen oder Feigwarzen oder Kondylome

HP-Viren treten unter anderem als sogenannte Niedrigrisikotypen auf. In der Regel geht es hier um die Typen HPV 6 und HPV 11. Nach einer Inkubationszeit von drei Wochen bis zu acht Monaten entwickeln einige der betroffenen Patienten Genitalwarzen.

Diese Warzen bergen kein Krebsrisiko, sind aber sehr unangenehm für die erkrankten Menschen. Sie treten zum Beispiel an der Scheide, am Gebärmutterhals, am Penis und im Bereich des Anus auf. Feigwarzen können von Millimetergröße bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser heranwachsen.

Die rotbraunen oder weißen Hautanhängsel stehen meist gruppiert nebeneinander und heilen entweder spontan ab oder verbleiben für Monate bis Jahre auf der Haut. Das Rückfallrisiko nach einer Behandlung ist mit 30 Prozent relativ hoch.

Geht es um eine Infektion mit HP-Viren vom Hochrisikotyp, wie zum Beispiel Typ HPV 16 und HPV 18, kann es zu Zellveränderungen kommen. Der Frauenarzt kontrolliert Veränderungen an der Vulva, in der Scheide, am Gebärmutterhals sowie im Bereich des Anus besonders gründlich. Es besteht immer die Möglichkeit, dass die Warzen von allein verschwinden, aber das Risiko für eine bösartige Weiterentwicklung ist in diesen Fällen gegeben.

Bleibt die HPV-Infektion über einen langen Zeitraum im Körper, kann es zu einer Entwicklung von Krebsvorstufen sowie Krebszellen speziell am Gebärmutterhals kommen.

Nutze die Krebsvorsorge bei deinem Frauenarzt

Der bekannte Pap-Abstrich zur frühzeitigen Diagnose eines Zervixkarzinoms kann Leben retten. Im Labor erkennt der Mediziner so schon die ersten Veränderungen der Zellen, die später zu Krebs führen können. Er erhält die Möglichkeit, das weitere medizinische Vorgehen sinnvoll zu planen.

Risikofaktoren für eine Infektion mit Humanen Papillomviren

  • eine hohe Anzahl an wechselnden Sexualpartnern
  • ein erster sexueller Kontakt vor dem 15. Geburtstag
  • das Rauchen von Zigaretten (Nikotin reichert sich im Zervixsekret an und kann die Abwehrkräfte der Schleimhautzellen schwächen.)
  • die erste Schwangerschaft und Geburt vor dem zwanzigsten Lebensjahr
  • eine hohe Anzahl an Schwangerschaften
  • seltener Gebrauch von Kondomen
  • ein schwaches Immunsystem
  • zusätzliche Geschlechtskrankheiten
Wie der Frauenarzt eine Infektion mit dem HP-Virus diagnostiziert

Wie der Frauenarzt eine Infektion mit dem HP-Virus diagnostiziert

Labortests können das HP-Virus in infiziertem Zellmaterial nachweisen. Auch der Virustyp kann bestimmt werden, gibt aber nur Auskunft über den aktuellen Zustand. Frühere Infektionen weisen die Tests nicht nach. Diese Untersuchungen sind nur sinnvoll, wenn ein Vorsorgeabstrich auffällig war oder bei Frauen über 30 Jahre aus Screening-Gründen.

Bei gesunden jungen Frauen bekämpft das Immunsystem die Infektion von allein. Ein positives Ergebnis ist kein Grund zur Panik, sondern ein guter Grund regelmäßig zur Vorsorge zum Frauenarzt zu gehen. Das HP-Virus ist weit verbreitet und nicht jede infizierte Frau erkrankt deshalb an einem Zervixkarzinom.

Diagnose Feigwarzen

Feigwarzen fallen dem Frauenarzt bei der körperlichen Untersuchung auf. Im Zweifelsfall nutzt er verdünnte Essigsäure, um die Warzen besser erkennen zu können. Sie färben sich weißlich, wenn der Mediziner sie mit der Flüssigkeit betupft. Die Diagnose Feigwarzen ist immer ein Anlass, die Sexualpartner der betroffenen Frau ebenfalls auf Feigwarzen zu untersuchen.

Die Therapie einer HPV-Infektion

Die Therapie einer HPV-Infektion

Medikamente zur direkten Behandlung des HP-Virus stehen nicht zur Verfügung. Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, ernsthafte Folgeerkrankungen wie Vorstufen von Krebs und Krebs rechtzeitig zu erkennen. Zusätzlich ist es sinnvoll, die bekannten und bereits erwähnten Risikofaktoren zu vermeiden. Eine Schutzimpfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr oder anderen sexuellen Aktivitäten ist die sicherste Methode der Vorsorge.

Die Therapie der Feigwarzen

Niemand lebt gerne mit unschönen Warzen im Genitalbereich, auch wenn sie nicht gefährlich sind. Reicht deine Geduld nicht, um die spontane Heilung abzuwarten, kann dir dein Frauenarzt weiterhelfen. Wichtige Kriterien sind zunächst:

  • die Anzahl der Warzen
  • der Ausbreitungsgrad
  • der betroffene Körperteil
  • der Leidensdruck der Patientin

Je nach individueller Situation stehen Salben, Laserbehandlungen oder die Kältetherapie mit flüssigem Stickstoff zur Verfügung. In der Regel reagieren Warzen gut auf eine Behandlung, haben aber auch eine relativ hohe Rückfallrate von circa 30 Prozent, da nur die Warze entfernt wird und das HP-Virus in den zurückbleibenden Zellen überleben kann. Es hilft nur der Impfstoff zur Vorbeugung.

Die Homöopathie zur Behandlung von Feigwarzen

Aus homöopathischer Sicht sind Warzen ein Ausdruck einer tieferliegenden Grundstörung und kein lokales Problem der Haut. Ausgebildete Homöopathen behandeln Warzen immer wieder mit dem individuell passenden Arzneimittel. Die Patienten müssen allerdings Geduld mitbringen. Vor einer Infektion mit einem HP-Virus des Hochrisikotyps und einer eventuell anschließenden Krebsentwicklung schützt aber nur eine Impfung.

Die Empfehlung der STIKO zur HPV-Impfung

Die Empfehlung der STIKO zur HPV-Impfung

Der Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut enthält die Schutzimpfung gegen Humane Papillomaviren für alle Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren. Es sind zwei Impfdosen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Ältere Jugendliche und Erwachsene benötigen drei Impfdosen, um einen grundlegenden Schutz aufzubauen.

Weiterlesen

Quellen:

  • Bernhard Uhl; Gynäkologie und Geburtshilfe compact: Alles für Station, Praxis und Facharztprüfung; Thieme Verlag; Stuttgart 2017
  • Birgit Marion Kübler: Homöopathie bei Hautkrankheiten. Thieme Verlag, Stuttgart 2012
  • RKI-Ratgeber: Humane Papillomviren
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