Geschlechtskrankheiten

Die Infektion durch Chlamydien: Wenn Unfruchtbarkeit eine Ursache hat

Zuletzt aktualisiert am: 11.02.2019

Bakterien kommen in unterschiedlichen Größen und Formen im menschlichen Körper vor. Zu den besonders kleinen Keimen gehören die Chlamydien. In der Erwachsenenmedizin spielt hier Chlamydia trachomatis eine große Rolle. Das Bakterium vermehrt sich mithilfe von menschlichen Körperzellen und befällt häufig die Geschlechtsorgane sowie die Harnwege. Die ausgelöste Infektion gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD aus dem Englischen von sexually transmitted diseases) und kann über lange Zeit unbemerkt im Körper bestehen. Durch Entzündungen der Schleimhaut der Eileiter bei der Frau können diese verkleben und eine Schwangerschaft unwahrscheinlich bis unmöglich machen.  

Chlamydien als Krankheitserreger

Chlamydien als Krankheitserreger  

Mediziner unterscheiden bei den Chlamydien die drei für den Menschen wichtigen Arten  
  • Chlamydia trachomatis,
  • Chlamydophila psittaci und
  • Chlamydophila pneumoniae

Die unbeweglichen Erreger vermehren sich innerhalb von Körperzellen in einem komplexen Zyklus, der Elemente sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zellen einschließt. Infizierte Zellen platzen, wenn sie komplett mit Chlamydien gefüllt sind und die Errger können sich weiter im Körper ausbreiten. 

Chlamydia trachomatis und seine Serotypen  

Wissenschaftler definieren sogenannte Serotypen, die aussagen, für welche Erkrankungen die jeweiligen Chlamydien verantwortlich sind.  
  • Typ A bis C der Chlamydia trachomatis löst das Trachom aus, eine chronische tropische Erkrankung der Bindehaut und Hornhaut der Augen.  
  • Typ D bis K ist für die sexuell übertragbaren Infektionen der Urogenitalorgane verantwortlich. Selten kann dieser Serotyp auch Bindehautentzündungen auslösen oder unter der Geburt Neugeborene infizieren.  
  • Typ L1 bis L3 verursacht eine vorwiegend tropische Geschlechtskrankheit, das Lymphogranuloma venerum.  

Zusätzliche Chlamydienarten  

Neben Chlamydia trachomatis haben noch zwei weitere Chlamydienarten eine Bedeutung in der Medizin in Deutschland.  
  • Chlamydophila pneumoniae löst atypische Lungenentzündungen aus.  
  • Chlamydophila psittaci ist für die Papageienkrankheit verantwortlich. Die seltene Erkrankung gleicht in ihren Symptomen einer Lungenentzündung.  

Von Chlamydien verursachte Krankheitsbilder

Von Chlamydien verursachte Krankheitsbilder 

Urogenitale Chlamydieninfektionen bei Mädchen und Frauen  

Weibliche Patientinnen, die sich durch Geschlechtsverkehr mit Chlamydien infizieren, bemerken in circa 80 Prozent der Fälle zunächst gar nichts. Beginnende Entzündungen  
  • der Harnröhre,  
  • des Gebärmutterhalses,  
  • der Gebärmutterschleimhaut sowie  
  • der Schleimhaut der Eileiter  

können mit milden Symptomen einhergehen, die nur schwer einzuordnen sind. Leichter gelblicher vaginaler Ausfluss mit Juckreiz und ein leichtes Brennen beim Wasserlassen sind ebenso möglich wie Schmierblutungen beim Sex oder auch spontan, Schmerzen im Unterbauch und in extremen Fällen Fieber. Die Inkubationszeit, von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden, beträgt im Durchschnitt zwischen fünf Tagen und sechs Wochen.  

Schleichend breitet sich der Erreger weiter aus und kann unbehandelt zu einer chronischen Infektion mit weitreichenden Folgen für die betroffenen Frauen führen. Möglich ist hier zum Beispiel eine Entzündung des Bauchfells inklusive der Organe im Becken, sowie teilweise oder komplett verklebte und somit verschlossene Eileiter. Im Ernstfall tritt als Komplikation eine Eileiterschwangerschaft auf oder es folgt eine Unfruchtbarkeit, da die Eizellen nicht mehr vom Eierstock in die Gebärmutter gelangen können.  

Der Unfruchtbarkeit auf der Spur  

Bis zu 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter können in Deutschland keine Kinder bekommen, weil sie aufgrund einer unbehandelten Infektion mit Chlamydia trachomatis unfruchtbar sind. Eine Screeninguntersuchung erfolgt jährlich bis zum 25. Geburtstag auf Kosten der Krankenkasse und im ersten Drittel einer Schwangerschaft, um das ungeborene Kind vor einer Ansteckung mit dem Erreger während der Geburt zu schützen. Du hast aber auch auf eigenen Wunsch jederzeit die Möglichkeit, Dich von Deiner Frauenärztin per Vaginalabstrich oder Urinprobe auf Chlamydien untersuchen zu lassen.  

Die Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft und bei Neugeborenen  

Mediziner gehen davon aus, dass eine Infektion der Schwangeren mit Chlamydia trachomatis das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung erhöht und sich unter der Geburt circa 60 Prozent der Neugeborenen mit dem Erreger am Gebärmutterhals ihrer Mutter anstecken. Es können Infektionen der Bindehäute, des Mittelohrs und des Nasen-Rachenraums des Babys folgen. Wenige Säuglinge erkranken nach kurzer Zeit oder bis zum dritten Lebensmonat an einer atypischen Lungenentzündung.  
Chlamydieninfektionen bei Männern

Chlamydieninfektionen bei Männern  

Männer können Chlamydien nicht nur beim Geschlechtsverkehr weitergeben, sondern auch an einer Infektion erkranken. Die Harnröhre, die Prostata und die Nebenhoden können sich entzünden, Schmerzen beim Wasserlassen und Ausfluss aus der Harnröhre auslösen. Männer werden allerdings nur sehr selten durch Chlamydien unfruchtbar.
 
Eher tritt das sogenannte Reiter-Syndrom als Komplikation auf. Typische Beschwerden sind hier Gelenkentzündungen der Bein- und Fußgelenke, die Tage bis Wochen nach einer Harnleiterentzündung beginnen. Später breitet sich die Erkrankung bei einigen Patienten bis hin zur Wirbelsäule und zum Kreuzbein aus. Typischerweise ist auch die Bindehaut der Augen betroffen und die Haut kann sich deutlich schuppen. Das Reiter-Syndrom kann auch bei Frauen auftreten.  
Mythen, die sich um Chlamydien ranken

Mythen, die sich um Chlamydien ranken 

Besonders im Zusammenhang mit Geschlechtskrankheiten halten sich in der Bevölkerung Mythen, die Mediziner nicht bestätigen können. Mit Chlamydia trachomatis der Serotypen D bis K kannst Du Dich zum Beispiel nur beim Geschlechtsverkehr infizieren. Ein Besuch im Schwimmbad, das Teilen eines Handtuchs im Badezimmer oder das gemeinsame Trinken aus einem Glas sind in dieser Hinsicht ungefährlich. Sogar eine Umarmung oder reines Küssen reichen für eine Infektion mit der Geschlechtskrankheit Chlamydiose nicht aus.  

Wie der Arzt eine Infektion durch Chlamydia trachomatis diagnostiziert

Wie der Arzt eine Infektion durch Chlamydia trachomatis diagnostiziert 

Sowohl eine Frauenärztin als auch ein Urologe mit ausreichend Erfahrung schöpft Verdacht, wenn sie oder er bei der körperlichen Untersuchung den typischen Ausfluss in Kombination mit den unspezifischen Beschwerden vor sich hat. Um die Diagnose zu sichern, stehen verschiedene Labortests zur Verfügung.  

Mikrobiologische Untersuchungen

In einem Abstrich von Gebärmutterhals oder Harnröhre oder in einer Urinprobe kann der Labormediziner den Erreger direkt nachweisen. Früher war die Kultur das Mittel der Wahl, heute werden sogenannte Nukleinsäure-Amplifikationstests eingesetzt.  

Serologische Untersuchungen

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, Antikörper gegen Chlamydien im Blut eines Patienten nachzuweisen. Für die Diagnose einer aktiven Infektion ist aber der Nachweis des Erregers besser geeignet. Hat der Arzt eine Chlamydieninfektion festgestellt, ist es sinnvoll, den betroffenen Patienten auch auf andere Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel die Gonorrhoe zu untersuchen. 

Schnelltest und Selbstdiagnose 

Im Handel findest Du Schnelltests für zu Hause, die aber leider nicht zu 100 Prozent sicher sind. Ein falsch durchgeführter Abstrich kann zum Beispiel zu einem falsch negativen Ergebnis führen. Besprich Deine Sorgen lieber mit Deinem Frauenarzt oder Deinem Urologen. Hast Du mit einem Schnelltest festgestellt, dass Du an einer Infektion durch Chlamydien leidest, ist der nächste Schritt ebenfalls der Gang zum Arzt, denn nur er kann die erforderliche antibiotische Therapie einleiten. 

Wie der Arzt eine Infektion durch Chlamydia trachomatis behandelt

Wie der Arzt eine Infektion durch Chlamydia trachomatis behandelt  

Chlamydien sind Bakterien und können daher erfolgreich mit einem Antibiotikum (Doxycyclin, Levofloxacin, Erythromycin, Moxifloxacin) behandelt werden. Je früher die Infektion entdeckt und therapiert wird, desto besser. Nutze bei einem Wechsel des Sexualpartners die Screeningmöglichkeiten beim Arzt. Besonders wenn Du gerne ohne Kondome oder Lecktücher Geschlechtsverkehr haben möchtest. Während Du das verschriebene Antibiotikum einnimmst, solltest Du auf Sex verzichten. Ist die Behandlung abgeschlossen, kannst Du sicher sein, Deinen Partner nicht doch noch zu infizieren.
 
Alle Sexualpartner der letzten zwei Monate vor der Diagnose sollten sich ebenfalls untersuchen und bei Bedarf antibiotisch behandeln lassen. Auch in der Schwangerschaft ist eine Therapie notwendig und möglich. Ebenso für Neugeborene, die nachweislich an einer Infektion durch Chlamydien erkrankt sind. Nach der Geburt kann eine Prophylaxe mit Augentropfen erfolgen, um den Säugling vor einer eventuellen Bindehautentzündung zu schützen. Routinemäßig erfolgt diese Maßnahme in Deutschland nicht mehr.  

Hausmittel oder alternative Behandlungsmethoden gegen Chlamydia trachomatis  

Gegen bakterielle Erkrankungen helfen nur Antibiotika mit größtmöglicher Sicherheit. Da eine Chlamydieninfektion schwerwiegende Folgen bis hin zu Unfruchtbarkeit haben kann und zusätzlich ansteckend ist, empfehlen Ärzte dringend eine sorgfältige antibiotische Behandlung aller Betroffenen.  
Wie Du Dich vor einer Infektion durch Chlamydien schützen kannst

Wie Du Dich vor einer Infektion durch Chlamydien schützen kannst  

Bekannt und bewährt als vorbeugende Maßnahmen im Zusammenhang mit Geschlechtskrankheiten sind Kondome und Lecktücher. Bei Chlamydien besteht eine besonders große Ansteckungsgefahr, da viele Infizierte keine Beschwerden haben und die Keime über Jahre unbemerkt mit sich herumtragen und verbreiten können. Safer Sex mit Kondomen, Femidomen und Lecktüchern ist, neben der Untersuchung der Geschlechtspartner vor dem Sex, die beste Vorbeugung.  
Risikofaktoren für eine Infektion mit Chlamydia trachomatis

Risikofaktoren für eine Infektion mit Chlamydia trachomatis:  

  • erster Geschlechtsverkehr in einem jungen Alter  
  • häufig wechselnde Partner  
  • nachlässiger Umgang mit Kondomen  
  • Ausübung risikoreicher sexueller Praktiken  
  • Prostitution  
  • schlechte Intimhygiene  
  • fehlende Untersuchung oder Behandlung des Partners im Fall einer Infektion durch Chlamydien, somit ständig erneute gegenseitige Ansteckung (Ping-Pong-Effekt)  

Chlamydien-Screening zur Früherkennung einer Infektion

Chlamydien-Screening zur Früherkennung einer Infektion  

In Deutschland bieten die gesetzlichen Krankenkassen für Frauen unter 25 Jahren ein kostenloses jährliches Screening auf genitale Chlamydia trachomatis an. Auf diese Weise sollen langwierige chronische Infektionen mit möglicherweise folgender Sterilität verhindert werden. Lediglich eine Urinprobe ist für die Untersuchung notwendig. Vor einem geplanten Schwangerschaftsabbruch und zu Beginn einer Schwangerschaft bieten Ärzte ebenfalls ein Screening auf Chlamydien an.  
 
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Quellen:

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