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Untenrum beim Mann

Symptom - Hodenschmerzen

Dr. rer. nat. Erwin Spiegel , Chemiker und wissenschaftlicher Klinikreferent
Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2019
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Ihren gesunden Hoden schenken Männer wenig Aufmerksamkeit. Treten allerdings im Genitalbereich Schmerzen auf, werden sie schnell hellwach und fürchten um ihre Gesundheit. Ob diese Sorgen berechtigt sind, was die Beschwerden verursacht und welche Schritte im Einzelfall angezeigt sind, erfährst du in diesem Beitrag.

Hodenschmerzen, kurz und kompakt

Hodenschmerzen, kurz und kompakt

Das Wichtigste vorweg: Deine möglicherweise größte Sorge, dass Hodenschmerzen auf einen Hodenkrebs hinweisen, ist in der Regel unbegründet, da ein Hodentumor selten schmerzhaft ist. Im Gegensatz zu dieser eher einfach zu treffenden Aussage ist es aber bei Hodenschmerzen deutlich schwieriger, sie auf die Schnelle einem definierten Krankheitsbild zuzuordnen. 
 
Denn dieses Symptom, medizinisch als Hodensack- oder Skrotumschmerz bezeichnet, gilt nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Es ist vielmehr der Hinweis auf eine krankhafte Störung im Genitalbereich, für die unterschiedliche Ursachen infrage kommen. Damit du zunächst selbst ein klareres Bild deiner Beschwerden erhältst, ist die Schmerzzuordnung in eine der beiden nachfolgenden Gruppen äußerst nützlich. 

Hodenschmerzen aus bekannten Gründen 

In diese Kategorie gehören Hodenschmerzen, die zwei typische Merkmale aufweisen: Die auslösenden Fakten sind dir vertraut und die Schmerzen klingen erfahrungsgemäß nach einigen Stunden oder Tagen wieder ab. Häufigste Ursachen sind ein spontaner Stoß oder Druck auf den Genitalbereich, beispielsweise in Verbindung mit Sport oder Geschlechtsverkehr. Im Normalfall sind diese Beschwerden harmlos. 

Hodenbeschwerden unbekannter Ursache 

Diese Gruppe ist stärker aufgefächert, da hier eine umfangreichere Zahl von Ursachen in Betracht kommt: 
 
Nicht unmittelbar bedrohlich, aber behandlungspflichtig sind Hodenschmerzen, über deren Auslöser du nichts weißt und die über mehrere Tage bestehen. Öfters treten sie auch wiederholt auf. Typische Beispiele für diese Art von Krankheitsbildern sind Hoden- oder Nebenhodenentzündungen.  
 
Richtig ernst hingegen sind akute, stark schmerzende Beschwerden, da sie schnellstmöglich ärztliche Versorgung benötigen. Markantestes Beispiel ist eine Hodenverdrehung, die zudem als Notfall gilt und sofort einen Arzt erfordert. 
 
Darüber hinaus können dich Hodenschmerzen treffen, bei denen die Ursache nicht im Hodenbereich selbst liegt. Auslöser sind stattdessen krankhafte Veränderungen in anderen Körperregionen wie ein Leistenbruch oder geschädigte Lendenwirbel. Die strahlen öfters bis in den Hodensack hinein aus, was zu ziehenden oder schmerzenden Störungen führt. 
 
Schmerzcharakteristik von Hodenbeschwerden

Schmerzcharakteristik von Hodenbeschwerden

Um das Grundsymptom Schmerz zuverlässiger einem Krankheitsbild zuzuordnen, helfen ergänzende Merkmale. Ganz wichtig dabei ist die Art, wie sich die Schmerzen anfühlen und an welchen Körperpartien sie auftreten. Betroffene beschreiben ihre Schmerzcharakteristik häufig folgendermaßen: 

  • Vorübergehender, mäßiger Schmerz
  • Akuter, starker Schmerz
  • Schweregefühl in den Hoden 
  • Ziehen im Hoden 
  • Geschwollene Hoden
  • Hodenschmerzen links oder rechts
  • Verhärtung am Hoden
  • Bis in den Leistenbereich und den Unterleib ausstrahlender Schmerz

Hoden, Leistengegend, Unterleib und Lendenwirbel - wie passt das zusammen? 

Du kannst das leicht nachvollziehen, wenn du einen kurzen Blick auf den Aufbau deines Körpers richtest:  

Der Hodensack liegt außerhalb des Rumpfes, hat aber eine kleine Verbindung ins Körperinnere, den etwa 4 cm langen Leistenkanal (Canalis inguinalis). Der dient unter anderem dazu, die Hoden und Nebenhoden mit Blutgefäßen und Nerven zu versorgen. Letztere wiederum sind mit der Wirbelsäule und dem Rückenmark verbunden. Gleichzeitig dient dieser Kanal als Durchgang für den Samenleiter.  

Diese enge Nachbarschaft von wichtigen Körperstrukturen mit dem Leistenkanal als Mittelpunkt kann ab und an zu unerwünschten Effekten führen. Als markantes Beispiel dient die Hodenverdrehung. Da der Hodensack beweglich ist, kann er sich am Übergang in den Leistenkanal spontan um die eigene Achse drehen und die Blutzufuhr abschnüren. Diese Verdrehung des Hodens nennen Mediziner Hodentorsion

Altersverteilung und Häufigkeit der Hodenschmerzen

Hodenschmerzen können in allen Altersstufen vom Säugling über Jugendliche bis hin zu den Senioren auftreten. Während sie sich in der ersten Lebenshälfte meist nur kurzfristig zeigen, sind sie ab der Lebensmitte öfters chronisch. Das bedeutet, dass sie länger als drei Monate bestehen, regelmäßig wiederkehren und die Lebensqualität mindern. 
 
Im Laufe des Lebens leidet nach Schätzungen für Deutschland jeder zweite Mann mindestens einmal unter Skrotumschmerzen. Deren Art und Ausprägung ist jedoch altersabhängig. Bei Kindern und Jugendlichen spielt die äußerst gefährliche Hodenverdrehung die Hauptrolle. Bei jüngeren Erwachsenen sind es öfters kräftige Stöße sowie Hoden- und Nebenhodenentzündungen. In der zweiten Lebenshälfte gewinnen dann vermehrt die vom Unterleib bis zur Wirbelsäule reichenden Ausstrahlungseffekte zusammen mit den chronischen Hodenerkrankungen an Bedeutung.
 
Ursachen verschiedener Schmerzsymptome

Ursachen verschiedener Schmerzsymptome

Um Ursachen von Hodenschmerzen alltagsverständlich zu beschreiben, eignen sich vor allem jene Begriffe, mit denen Betroffene ihre Beschwerden charakterisieren. 

Ziehen im Hoden 

Das Ziehen im Hoden ist ein typisches Zeichen für diverse Ursachen, die sowohl im Hodenbereich als auch in anderen Körperregionen liegen können. Die folgenden Beispiele verdeutlichen das. 

Wasseransammlung im Hoden

Eine häufige Ursache des Ziehens ist eine Wasseransammlung im Hoden (Hydrozele), alternativ auch Wasserbruch genannt. Dabei bildet sich Gewebeflüssigkeit zwischen zwei Häuten, die den Hoden umgeben. Das führt zu einer unangenehmen Schwellung mit teils ziehenden Hodenschmerzen. Die Beschwerden verschlimmern sich, wenn der Patient herumläuft und das Wasser nach unten drückt. Die Hydrozele ist von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei die Beschwerden generell mit zunehmender Schwellung stärker werden. Wasserbrüche können sowohl ein- wie beidseitig auftreten und sind zunächst nicht bedrohlich, zumal sie öfters ohne Behandlung verschwinden.LeistenbruchTritt das Ziehen im Hoden beim Husten oder Heben auf, kann ein Leistenbruch (Leistenhernie) die Ursache sein. Du erkennst die Anzeichen eines Leistenbruchs selbst recht gut, da sich an der betroffenen Körperstelle im Unterbauch die Haut sichtbar vorwölbt. Dort ist die Bauchdecke geschwächt und Teile des Darms drücken die Haut nach vorne. In den nahen Leistenkanal können ebenfalls Darmschlingen drängen und ein Ziehen im Hoden auslösen. 

Geschwollene Hoden 

Auch hier gibt es mehrere mögliche Ursachen, wobei dieses Symptom in aller Regel auf eine urologische Erkrankung hinweist. Die Schwellung zeigt sich in der überwiegenden Zahl der Fälle nur einseitig und ist öfters schmerzhaft.  
 
Diverse Entzündungen begünstigen HodenschwellungenInsbesondere die Hodenentzündung (Orchitis) und die Nebenhodenentzündung (Epididymitis) treten als Krankheitsbilder häufiger auf. Charakteristisch sind deutliche Schmerzen des betroffenen Hodens, öfters begleitet von auffälligen Schwellungen. Hinzu kommen von Fall zu Fall ein geröteter Hodensack, Fieber und Beschwerden beim Harnentleeren. Andere Ursachen schmerzender und teils geschwollener Hoden können eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder dann und wann eine entzündete Harnblase (Zystitis) sein. Selbst allgemeine Infektionskrankheiten, die nicht unmittelbar mit dem Urogenitalbereich zu tun haben, sind mögliche Auslöser von Hodenschwellungen. Beispiele sind hier Erkrankungen wie Mumps oder das Pfeiffersche Drüsenfieber.HodenbruchDas in Verbindung mit einem Leistenbruch nach unten drängende Darmgewebe kann durch den Leistenkanal auch bis in den Hodensack gelangen. Dieses Krankheitsbild nennt sich dann Hodenbruch oder in der Fachsprache Hodenhernie. Die Folgen sind druckempfindliche Hodenschwellungen, gelegentlich verbunden mit Übelkeit und leicht blutigem Stuhl. Ein Hodenbruch kann allerdings auch entstehen, ohne dass sich zuvor ein Leistenbruch bildet. Das hängt ganz davon ab, wo die Bauchdecke ihre schwächste Stelle hat, um einen Geweberiss auszubilden. 

Hodenschmerzen links oder rechts 

Variante links: Krampfadern am HodensackWenig geläufig ist den meisten Menschen, dass auch Krampfadern am Hodensack (Varikozele) möglich sind. Das hat mit dem Hoden unmittelbar nichts zu tun, wohl aber mit krankhaften Veränderungen der Hodensack-Blutvenen. Die damit einhergehenden Schmerzen treten, anatomisch bedingt, am häufigsten linksseitig auf. Neben einer unangenehmen Schwellung des Hodensacks klagt ein Teil der Erkrankten über einen dumpfen, ziehenden Schmerz. Andere beschreiben ihre Beschwerden als deutliches Schweregefühl im Hoden. Die leicht knubbelig geschwollenen Venen sind im Stehen von den darunter Leidenden selbst tastbar. Beim Liegen sind sie nicht zu erspüren. Die Beschwerden entstehen durch eine Funktionsschwäche (Insuffizienz) der Venenklappen. Davon betroffen sind vor allem junge Männer in der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren.Variante rechts: unspezifisches ErkrankungszeichenAnders als Hodenschmerzen links sind rechtsseitige Schmerzen kein Signal für eine bestimmte Hodenerkrankung. Sie haben nur insoweit Bedeutung, als sie auf eine von mehreren Ursachen hinweisen, die mit Hodenschmerzen einhergehen. 

Verhärtung am Hoden — Tumorsignal 

Eine Hodenverhärtung kommt in den meisten Fällen nur einseitig vor und ist üblicherweise schmerzfrei. Du darfst aber auf keinen Fall das fehlende oder nur schwache Schmerzsignal als Entwarnung deuten, denn die teils knotige Verhärtung spricht für einen Hodentumor. Betroffen sind vorzugsweise jüngere Männer etwa zwischen 25 und 45 Jahren. Eine baldige Untersuchung ist daher Pflicht.
 
Arztbesuch ab wann erforderlich?

Arztbesuch ab wann erforderlich?

Bei Hodenbeschwerden ist es vielen Männern unangenehm, einen Arzt zu konsultieren. Gerade bei diesem Krankheitsbild kann es jedoch sehr wichtig sein, keine unnötige Zeit zu verlieren. Nur dann bist du auf der sicheren Seite, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. 
 
Die nachfolgende, alltagstaugliche Checkliste unterstützt dich bei deiner Entscheidung, ärztlichen Rat in Anspruch zu nehmen. 

Checkliste Arztbesuch 

 Fallen deine Beschwerden unter den Begriff "eher leicht und vorrübergehend" und hast du en klares Bild über die Ursachen wie ausgeprägte sportliche Tätigkeit oder Sex, besteht normalerweise kein Handlungsbedarf. Bei stärkeren, vor allem anhaltneden Bescherden ohne bekannte Gründe ist ein kurzfristiger Arztbesuch ratsam, um die genaue Ursache abzuklären. Treten die Schmerzen akut und sehr intensiv auf, soltest du sofort zum Urologen oder in eine Notaufnahme, um ernste Gefahren abzuwenden. 

Diagnoseschritte bei Hodenschmerzen

Diagnoseschritte bei Hodenschmerzen

Patientengespräch als Grundlage

Wichtig für den Arzt sind zunächst die Details deiner Krankengeschichte und Information zur allgmeinen Lebensführung. Dazu gehören unter anderem folgende Fragen und Themenbereiche: 

  • Wo tritt der Schmerz auf?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Wie fühle sich die Schemrzen an?
  • Art und Intensität ausgeübter Sportarten
  • Berufliche körperliche Belastung
  • Art und Häufigkeit des Sexuallebens 
  • Sind Verletzungen oder Beschwerden im Leistenbereich bekannt? 
  • Gibt es andere Erkrankungen, beispielsweise Rücken-, Blasen - oder Nierenbeschwerden?
  • Treten beim Urinieren Probleme wie Brennen oder Auslfuss auf? 

Sorgfältige körperliche Untersuchung

Das Gespräch mit dir gibt dem Urologen bereits wichtige Hinweise darauf, welche Ursachen die Hodenschmerzen möglicherweise auslösen. Die sich anschließende körperliche Untersuchung dient dazu, die Anfangsdiagnose zu erhärten. Insbesodnere im Hodenbereich ist dabei medizinisch vorteilhaft, dass bestimmte Hodenerkrankungen bereits äußerlich ansatzweise erkennbar und darüber hinaus durch den Hodensack gut zu ertasten sind. Je nach Zwischenbefund begutachtet der Arzt auch den Leistenbereich und den Unterleib, um eventuell weitere Ursachenfelder aufzuspüren. 

Bei Hinweisen auf eine Entzündung bringen Urin- und Blutanalysen die nötige Klarheit. Bedarfsweise geben Ultraschallaufnahmen zusätzlich Aufschluss, beispielsweise um Abszesse infolge einer Entzündung zu begutachten. 

Ergänzende bildgebende oder sonstige Untersuchungen 

Weiterführende Untersuchungen wie spezielle Ultraschallverfahren, Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie (CT) oder eine Gewebeprobe (Biopsie) erfolgen nur im Einzelfall, um unklare Befunde abzusichern. 

Behandlungsformen häufiger Hodenbeschwerden

Behandlungsformen häufiger Hodenbeschwerden

Die vom Urologen gewählte oder empfohlene Behandlungsform hängt stark von der festgestellten Diagnose und der damit einhergehenden Krankheitsursache ab. 
 
Sind stärkere Hodenschmerzen rein äußerlich verursacht, beispielsweise durch eine sportbedingte Prellung, hilft in der Regel eine mehrtägige Kühlung und etwas Geduld. Der gleiche Rat gilt für Beschwerden, die mit sexuellen Gewohnheiten in Verbindung stehen. 
 
Geht es primär um Entzündungen, sind je nach festgestellter Entzündungsart spezifisch ausgewählte Antibiotika sowie entzündungshemmende Medikamente angezeigt. Die übliche Behandlungsdauer von Entzündungen liegt bei ein bis zwei Wochen. 
 
Bei Krampfadern im Hodensack bieten sich eine Operation oder alternativ eine Verödung an. Insbesondere bei betroffenen Kindern und Jugendlichen sind diese beiden Behandlungsformen häufig.  
 
Liegt ein Wasserbruch des Hodens vor, lassen sich kleine, einseitige Brüche ambulant operieren. Sind die Probleme größer und beidseitig, erfolgt die OP stationär.  
 
Ist ein Leistenbruch das Hauptproblem, hilft eine OP. Sie wird heute in vielen Fällen ambulant durchgeführt. Ein Hodenbruch erfordert ebenfalls eine operative Behandlung. 

Fazit

  • Die vielfältigen Ursachen von Hodenschmerzen und die damit einhergehenden Risiken erfordern in aller Regel eine medizinische Beurteilung. Nur ein Arzt kann einfache von ernsten Schmerzsymptomen sicher unterscheiden. 
  • Auch wenn dir das Thema unangenehm ist: Ein Arztbesuch erspart dir unnötige Angst vor einer bedrohlichen Erkrankung und bringt in der Regel zügige Besserung und Heilung. 
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