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Hodenhochstand im Erwachsenenalter

Zuletzt aktualisiert am: 10.05.2019

Der Hodenhochstand (oder medizinisch »Maldescensus testis«) bezeichnet einen Hoden, der sich nicht im Hodensack befindet. Während der Entwicklung eines männlichen Embryos wird der Hoden innerhalb der Bauchhöhle gebildet. Normalerweise findet der Hoden noch vor dem Geburtstermin den Weg in den Hodensack. Wenn im Verlauf des Wachstums des Embryos der Hoden nicht ausreichend nach unten wandert, spricht man von Hodenhochstand. Bei Frühgeborenen ist der Hoden oft entsprechend ihres Entwicklungsstadiums noch nicht im Skrotum angekommen. Da der Hodenhochstand zwar kaum Symptome hervorruft, aber weitreichende Folgen für das Erwachsenenalter hat, ist eine frühzeitige Diagnostik und Therapie sinnvoll. 

Wie häufig ist der Hodenhochstand?

Wie häufig ist der Hodenhochstand? 

Etwa zwei bis vier Prozent aller neugeborenen Jungen weisen einen Hodenhochstand auf. Damit ist der Maldescensus testis die häufigste Fehlbildung der männlichen Geschlechtsorgane. 

Viele Patienten können innerhalb des ersten Jahres einen spontanen Abstieg des Hodens beobachten, die meisten davon innerhalb der ersten sechs Monate. So liegt die Häufigkeit im dritten Monat bei einem bis 1,9 Prozent, nach 18 Monaten zwischen 0,8 bis 1,5 Prozent. 

Welche Formen von Hodenhochstand gibt es?

Welche Formen von Hodenhochstand gibt es?

  • Bauchhoden: Der Hoden liegt noch in der Bauchhöhle selber und ist nicht zu ertasten. 
  • Leistenhoden: Liegt im Leistenkanal, zwischen Bauchraum und Hoden. Er kann nicht bis in den Hodensack ausgestrichen werden. 
  • Gleithoden: Liegt zwischen dem äußeren Ende des Leistenkanals und dem Hodensack. Er kann zwar vorsichtig bis in den Hodensack vorgezogen werden, rutscht aber gleich wieder in seine ursprüngliche Lage vor dem Leistenkanal zurück. Grund hierfür ist meist ein kurzer Samenstrang. 
  • Pendelhoden: Liegt im oder kurz vor dem Hodensack. Er kann spannungsfrei bis an den unteren Hodensack vorgezogen werden und verbleibt auch länger dort. Durch den sogenannten Kremasterreflex rutscht er wieder vor den Hodensack, wenn sich die Muskulatur durch eine Berührung des Oberschenkels, durch Kälte oder durch Stress anspannt. Wenn der Betroffene sich entspannt, kann der Hoden wieder spontan absinken. 

Da der Hoden sich die meiste Zeit außerhalb des Leistenkanals befindet, ist der Pendelhoden zunächst harmlos. Allerdings kann in manchen Fällen ein Pendelhoden spontan in den Leistenkanal oder in den Bauch zurückrutschen. Daher sollte ein Pendelhoden regelmäßig einmal im Jahr kontrolliert werden. 

Wichtig zu wissen:

Es kann vorkommen, dass das Hodengewebe von vorneherein an einer anderen Stelle im Körper angesiedelt wurde. In diesem Fall spricht man von einer Hodenektopie oder Hodenatrophie oder -agenesie, also einem zu kleinen oder fehlendem Hoden. Bei diesen Indikationen handelt es sich nicht um einen Pendelhoden.

Wenn der Hoden zunächst regelrecht abgesunken ist, sich dann aber wieder in den Leistenkanal oder in den Bauchraum zurückzieht, spricht man außerdem von einem sekundären Hodenhochstand (sekundärer Aufstieg (Ascension) der Gonade). Dies kann aufgrund eines fehlenden Wachstums des Samenstrangs, einem Umbau des Samenstrangs in Bindegewebe oder selten ohne äußere Ursache geschehen. Auch nach Leistenbruchoperationen im Kindesalter kann ein sekundärer Hodenhochstand die Folge sein. 

Risikofaktoren für Hodenhochstand

Welche Risikofaktoren begünstigen die Ausbildung eines Hodenhochstandes?

Grundsätzlich gibt es geografische Unterschiede bei der Häufigkeit des Hodenhochstandes bei reifen Neugeborenen. Die Gründe hierfür konnten bisher nicht geklärt werden. Dass bei männlichen Frühgeborenen der Hoden noch nicht im Skrotum liegt, ist aufgrund ihres jeweiligen Entwicklungsstandes zu erklären. 

Weitere Risikofaktoren für einen Hodenhochstand finden sich in: 

  • einer familiären Häufung (genetische Disposition) 
  • einem niedrigen Geburtsgewicht 
  • einer fortgesetzten Hormoneinnahme in der Schwangerschaft (Pille!) 
  • einem fortgesetzten Alkohol- oder Nikotingenuss der Eltern vor der Zeugung und in der Schwangerschaft 
  • eine Plazentainsuffizienz mit verminderter Hormonfreisetzung 

Auch andere Fehlbildungen wie der fehlende Bauchdeckenverschluss können einen Hodenhochstand nach sich ziehen. Verschiedene genetische Fehlbildungen haben den Hodenhochstand als Teil ihres Symptomkomplexes. 

Welcher Arzt bei Hodenhochstand?

Welchen Arzt suche ich mit einem Hodenhochstand auf?

Wenn sich bei deinem Kind der Hoden nicht im Skrotum befindet, wird das meistens innerhalb der normalen Vorsorgeuntersuchungen festgestellt und genau dokumentiert. Der Kinderarzt sagt dir auch, wenn du noch beruhigt zuwarten kannst. Allerdings sollte spätestens, wenn nach sechs Monaten der Hoden noch nicht abgesenkt ist oder wenn ein bereits abgesunkener Hoden wieder verschwindet, ein Kinderchirurg oder ein Urologe den Befund kontrollieren. 

Ein Kinderchirurg hat keine übliche chirurgische Ausbildung, sondern hat sich speziell mit dem kindlichen Körper beschäftigt. Der Urologe ist der Facharzt für die Nieren, die Harnorgane und die männlichen Geschlechtsorgane. Manche Urologen haben sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert. 

Was passiert dann beim Facharzt? 

Keine Sorge, auch wenn Kinderchirurgie und Urologie operative Fächer sind, wird auch der Facharzt erst einmal alle medikamentösen Möglichkeiten der Therapie abklären, ohne gleich an eine Operation zu denken. Der Kinderchirurg oder der Urologe wird dein Kind selber erst einmal sorgfältig untersuchen. Da die Untersuchung erschwert ist, wenn sich der Hoden reflexartig zurückzieht, sollte die Untersuchung ganz entspannt, ohne Hektik und in einer warmen Umgebung erfolgen. 

Dabei wird meist im Schneidersitz der Hoden vorsichtig durch sanften Druck auf die Leiste in den Hodensack gestrichen und dort abgetastet. Eine Ultraschalluntersuchung kann in manchen Prozent der Fälle helfen, den Hoden korrekt zu lokalisieren. Eine Kernspintomografie ist vor allem bei älteren, adipösen Patienten sinnvoll. 

Um die Ursachen für den Hochstand zu finden und die möglichen medikamentösen Behandlungen zu planen, folgen einige Laboruntersuchungen. Der Arzt nimmt Blut ab und untersucht die Konzentration der Geschlechtshormone im Labor. Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Hierbei kann der Arzt nicht nur den Hoden sicher orten, sondern auch auf seine Größe und seine Funktionsfähigkeit hin beurteilen. 

Allerdings ist die Laparoskopie eine Technik, die eine Narkose erfordert und nicht risikofrei ist. Trotzdem kann eine Bauchspiegelung nicht nur wertvolle Informationen bringen. Bespreche gleich mit deinem behandelnden Arzt, dass er je nach dem Befund an die Diagnostik gleich die Therapie anschließt. Wenn der Hodenhochstand minimalinvasiv operabel ist, kann der Arzt mit deinem Einverständnis den Hoden gleich an den richtigen Ort verlegen und dort befestigen. 

Behandlung bei Hodenhochstand 

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es bei Hodenhopchstand?

Grundsätzlich gibt es die medikamentöse und die operative Therapie. Welche Therapie für dein Kind oder dich selber sinnvoll ist, richtet sich nach den Untersuchungsergebnissen der Vorkontrollen. 

Medikamentöse Therapie bei Hodenhochstand 

Die medikamentöse Therapie besteht in einer Hormongabe als Injektion oder als Nasenspray. Die Hormone sind nicht ohne Nebenwirkungen und haben eine Erfolgsrate um die 20 %. Eine Beratung durch den Arzt deines Vertrauens ist daher unerlässlich. Nach dem ersten Geburtstag sollte keine Hormontherapie mehr durchgeführt werden. 

Operation bei Hodenhochstand

Auch die Möglichkeiten der operativen Behandlung sind von den Untersuchungsbefunden abhängig. Ziel der Operation ist es in jedem Fall, den Hoden aus seiner momentanen Lage zu lösen und den Samenstrang so zu mobilisieren, dass der Hoden ohne Spannung im Skrotum befestigt (»pexiert«) werden kann. 

Liegt der Hoden noch tief im Leistenkanal oder im Bauchraum, kann eine Inspektion der Bauchhöhle mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder über einen Schnitt (Laparotomie) notwendig sein. In einigen Fällen sind zwei Sitzungen für die Operation notwendig. 

Ob die Operationen ambulant oder stationär durchgeführt werden kann, richtet sich nach der Größe des zu erwartenden Eingriffs. Diese Entscheidung trifft dein behandelnder Arzt. 

Je nach individuellem Hormonspiegel und der Dauer des Hochstandes kann auch zusätzlich zu der Operation eine Hormongabe sinnvoll sein, um Spätfolgen zu vermeiden. 

Was passiert, wenn ich einen Hodenhochstand nicht behandle? 

Da es in der Bauchhöhle und im Leistenkanal wärmer ist als im Hodensack, führt eine dauerhafte Lage des Hodens im Bauch dazu, dass sich die Spermien nicht korrekt ausbilden können. Auch kommt es bei einem Hodenhochstand zu einer Fehlentwicklung des Nebenhodens und der Samenwege.

Wenn man einen Hodenhochstand erst nach dem zehnten Lebensjahr behandelt und beide Seiten betroffen sind, sinkt die Zeugungsfähigkeit deutlich. Eine rechtzeitige Operation kann die Zeugungsfähigkeit nahezu im normalen Bereich erhalten. Der behandelnde Arzt berät dich ausführlich, ob zur Sicherung der Zeugungsfähigkeit eine Hormoneinnahme sinnvoll ist. 

Wenn der zweite Hoden im Hodensack liegt, kann er die Funktion des anderen Hodens kompensieren. 

Ein Hodenhochstand kann zu einer Krebserkrankung führen 

Ein Hodenhochstand ist ein nachgewiesener Risikofaktor für die Entwicklung von Hodenkrebs. Jeder zehnte Hodenkrebspatient hat einen Hodenhochstand in der Vorgeschichte. Eine zeitgerechte Behandlung des Maldescensus kann hier schwerwiegenden Folgen vorbeugen. 

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