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Untenrum bei Frauen

Scheidenpilz (Vaginalmykose)

Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2019

Der Scheidenpilz, auch Vaginalmykose genannt, ist eine der häufigsten Infektionen des weiblichen Genitals. Etwa 75 Prozent der Frauen machen in ihrem Leben Bekanntschaft mit lästigem Juckreiz, vermehrtem Ausfluss oder einem unangenehmen Brennen, hervorgerufen durch eine Pilzinfektion im Intimbereich. Zum Glück lässt sich dieser in den meisten Fällen recht einfach und wirkungsvoll behandeln.

Die natürliche Abwehr: Wie wehrt sich der Körper gegen Infektionen der Scheide?

Die natürliche Abwehr: Wie wehrt sich der Körper gegen Infektionen der Scheide?

Die Schleimhaut der Scheide ist nicht keimfrei, sondern mit vielen unterschiedlichen Bakterien und Pilzen besiedelt. Dies hat zunächst einmal keinen Krankheitswert. Hierfür sorgen die sogenannten Döderlein-Bakterien. Sie produzieren Milchsäure und schaffen in der Vagina ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert von etwa 4. Diese saure Umgebung verhindert nun, dass sich pathogene Keime, also Keime, welche Krankheiten verursachen können, ungehindert ausbreiten.

Wird das Gleichgewicht aus Milchsäurebakterien und potenziell schädlichen Keimen gestört, können sich Keime ausbreiten und zu einer Infektion führen. Beim Scheidenpilz handelt es sich bei diesen schädlichen Erregern in den meisten Fällen um den Hefepilz Candida albicans.

Ursachen: Was bringt das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht?

Wird nun dieses empfindliche Milieu der Vagina gestört, kann sich eine Pilzinfektion ausbreiten und zu den unangenehmen Symptomen einer Vaginalmykose führen. Ursachen für das Ungleichgewicht kann es dabei viele geben.

Medikamenteneinnahme

Bei Erkrankungen der Atemwege, einer Blasenentzündung oder anderen Infektionen im Körper braucht es manchmal ein Antibiotikum. Da ein Antibiotikum nicht nur die krankmachenden Bakterien angreift, sondern auch die so wichtigen Döderlein-Bakterien zerstört, kommt es nach einer Antibiotikatherapie häufiger zu Scheidenpilz-Infektionen. Aber auch die Einnahme von Kortisonpräparaten führt durch die immununterdrückende Wirkung vermehrt zu Scheidenpilz.

Falsche Intimpflege

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, dass eine Pilzinfektion der Scheide vor allem auf mangelhafte Intimhygiene zurück zu führen ist, dabei ist häufig genau das Gegenteil der Fall. Übertriebenes Waschen des Genitalbereichs, insbesondere mit Seifen, parfümierten Waschlotionen oder Scheidenspülungen können den pH Wert der Scheide beeinflussen und so eine Infektion begünstigen. Sicherlich kann aber auch ein extremer Mangel an Intimpflege zu einer Pilzinfektion führen.

Schwangerschaft und andere hormonelle Schwankungen

Auch der Einfluss von Hormonen kann die Entstehung einer Pilzinfektion begünstigen. Vor allem Östrogen sorgt dafür, dass in der Scheide vermehrt Zucker in Form von Glykogen gebildet wird. Dieser Zucker bietet optimale Nährbedingungen für die pathogenen Keime und fördert ihre Ausbreitung.

Aus diesem Grund haben Mädchen vor Beginn ihrer Periode und Frauen nach der Menopause ein relativ geringes Risiko an einer Scheidenpilz-Infektion zu erkranken, da ihr Östrogengehalt verhältnismäßig niedrig ist. Ursachen für Hormonschwankungen können sein:

  • Schwangerschaft
  • Hormonänderungen in der zweiten Zyklushälfte
  • im Rahmen einer Hormonersatztherapie
  • während der Wechseljahre
  • unter dem Einfluss hormoneller Verhütungsmethoden
  • Einnahme von Antiandrogenen zur Behandlung übermäßig gebildeter männlicher Sexualhormone oder starker Akne.

Insbesondere zum Ende der Schwangerschaft sollte eine Pilzinfektion sorgfältig behandelt werden, um während der Geburt eine Übertragung auf das Neugeborene zu vermeiden.

Geschwächtes Immunsystem

Auch ein geschwächtes Immunsystem kann dazu beitragen, dass sich eine Pilzinfektion in der Scheide ausbreitet. Ursachen für eine eingeschränkte Abwehrfunktion unseres Körpers können dabei unter anderem verschiedene Erkrankungen sein wie eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, Diabetes mellitus oder HIV.

Auch die Medikamenteneinnahme im Rahmen einer Krebstherapie, sogenannte Zytostatika und Kortison schwächen den Körper. Häufig sind aber auch übermäßiger Stress oder psychische Ausnahmesituationen Grund für ein schwächeres Immunsystem.

Übertragung durch Geschlechtsverkehr?

Nur selten kommt es durch sexuelle Handlungen zur Infektion mit einem Scheidenpilz. Dies liegt vor allem daran, dass Männer nur sehr selten an einer Pilzinfektion des Penis leiden. Grund hierfür ist, dass der Penis im Gegensatz zur Scheide über ein eher trockenes und kaltes Milieu verfügt. Hier breitet sich der Pilz nur schwer aus.

Insbesondere bei wiederkehrenden Infektionen der Frau sollte aber auch eine Pilzinfektion beim Mann ausgeschlossen werden. Die wiederholte Übertragung der Pilzinfektion durch den Partner nach vorangegangener erfolgreicher Behandlung wird als Ping-Pong-Effekt bezeichnet.

Zu den häufigsten Risikofaktoren, die eine Vaginalmykose begünstigen können, zählen die Antibiotikaeinnahme, eine Schwangerschaft und ein geschwächtes Immunsystem. Nur äußerst selten kommt es zur Ansteckung beim Geschlechtsverkehr. Bei der Vaginalmykose handelt es sich aus diesem Grund auch um keine Geschlechtskrankheit.

Symptome: Wie macht sich ein Scheidenpilz bemerkbar?

Symptome: Wie macht sich ein Scheidenpilz bemerkbar?

Eine unkomplizierte Scheidenpilz-Infektion kommt sehr häufig vor und betrifft vor allem Frauen im gebärfähigen Alter. Die dabei auftretenden Beschwerden können vielfältig sein und ihrer Ausprägung unterschiedlich stark vorkommen. Zu den Symptomen einer Vaginalmykose zählen:

  • starker Juckreiz im Intimbereich
  • Brennen der Scheide
  • vermehrter krümelig-weißlicher, geruchsloser Ausfluss
  • Rötung, Schwellung, Schmerzen und eventuell ein weißlicher Belag im Bereich der Vagina und Vulva (Scheideneingang)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Wichtigste Symptome einer Scheidenpilz-Infektion sind der quälende Juckreiz bis hin zum schmerzhaften Brennen im Intimbereich und der zunehmende weißlich-krümelige Ausfluss. Vorsicht ist geboten wenn der Ausfluss anfängt unangenehm (fischartig) zu riechen, hier steckt dann häufig eine bakterielle Infektion dahinter, die einer speziellen ärztlichen Behandlung bedarf!

Diagnose: Wie wird die Diagnose Scheidenpilz gestellt?

Diagnose: Wie wird die Diagnose Scheidenpilz gestellt?

Wenn du glaubst, an einer Scheidenpilz-Infektion zu leiden, solltest du deinen Gynäkologen oder deine Gynäkologin aufsuchen. Häufig lässt sich eine erste Verdachtsdiagnose schon nach der Befragung stellen. Bei der anschließenden Untersuchung nimmt der Arzt, ähnlich wie bei einer frauenärztlichen Routineuntersuchung, einen Abstrich von der Vaginalschleimhaut, um die vorhandenen Erreger mikroskopisch untersuchen zu können.

Frauen, die schon häufiger an einer Pilzinfektion erkrankt sind, können die Symptome meist sehr gut deuten und somit in Eigenregie eine Diagnose stellen und entsprechend therapieren. Hilfreich können hierbei auch sogenannte Selbsttests aus der Apotheke sein. Sie überprüfen anhand einer pH-Wert Messung, ob eine Infektion vorliegen könnte. Eine eindeutige Abklärung kann allerdings nur anhand einer gynäkologischen Untersuchung erfolgen, da kurzfristige pH-Wert Änderungen auch andere, harmlose Ursachen haben können.

Frauen die öfter an einer Vaginalmykose erkranken, können meist anhand der Symptome recht sicher selbst die Diagnose stellen und entsprechend behandeln. Treten die Symptome allerdings zum ersten Mal auf, sind Sie unsicher, ob es sich tatsächlich um eine Pilzinfektion handelt oder besteht eine Schwangerschaft, ist der Besuch beim Facharzt unumgänglich.

Therapie: Was hilft bei einer Pilzinfektion?

Therapie: Was hilft bei einer Pilzinfektion?

Ist die Diagnose Vaginalmykose gestellt, muss diese auch behandelt werden. Von alleine heilt ein Scheidenpilz nämlich nicht aus. Zur Behandlung der Vaginalmykose kommen Anti-Pilzmittel zum Einsatz, sogenannte Antimykotika. Sie hemmen das Pilzwachstum bzw. töten den Pilz ab. Diese Antimykotika können entweder oral als Tabletten oder oberflächlich als Salbe bzw. in Zäpfchenform verabreicht werden.

Vaginalzäpfchen/ Vaginaltabletten

Mit Hilfe eines Applikators werden Vaginalzäpfchen oder -tabletten nach Möglichkeit abends in die Scheide eingeführt und können hier über Nacht wirken. In der Regel reicht hier eine Anwendung über wenige Tage. Nebenwirkungen treten dabei nur selten auf. Die Zäpfchen lassen sich ab einem Alter von 18 Jahren rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Salben und Cremes Zusätzlich zu den Vaginalzäpfchen besteht auch die Möglichkeit, Cremes bzw. Salben, die einen antimykotischen Wirkstoff enthalten, äußerlich am Genital aufzutragen. Hierdurch kann der Heilungsprozess zusätzlich unterstützt werden, da in der Regel sowohl das äußere als auch das innere Genital von der Infektion betroffen ist.

Tabletten

Die Behandlung mit Tabletten ist zwar einfacher und weniger unangenehm, da diese aber systemisch, d.h. im gesamten Körper wirken, kann es häufiger zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. In Tablettenform sind Antimykotika in der Regel verschreibungspflichtig. Auch hier reicht meist die Einnahme weniger Tabletten aus.

Hausmittel und alternative Behandlungen.

Im Internet finden sich häufig Hausmittel, die gegen den Scheidenpilz wirken sollen. So sollen Essigspülungen den pH-Wert senken, Joghurt die Milchsäurebakterien unterstützen oder Kokosöl, Knoblauch und Honig wahre Wunder bewirken.

Hierbei gibt es sicherlich einige mehr, andere weniger sinnvollere Methoden. Generell besteht allerdings die Gefahr, dass hierdurch die Schleimhaut der Vagina zusätzlich gereizt wird und sich die Symptomatik eher verschlechtert als dass sich Linderung einstellt.

Chronischer Scheidenpilz: Was tun?

Chronischer Scheidenpilz: Was können Sie tun, wenn die Infektion immer wieder kommt?

In der Regel lassen die Beschwerden durch die Behandlung schon nach wenigen Tagen nach und der Pilz kann erfolgreich beseitigt werden. In selteneren Fällen (etwa 7 bis 10 Prozent der Frauen) kann es jedoch vorkommen, dass aus einer akuten Infektion eine chronische Pilzerkrankung wird, die trotz Therapie nicht ausheilt oder kurze Zeit später erneut auftritt.

In solchen Fällen sollte auf jeden Fall ein Facharzt aufgesucht werden, um eine Ursache für die wiederkehrenden Infektionen zu finden. Auch der Partner sollte untersucht werden, um auszuschließen, dass man sich beim Geschlechtsverkehr immer wieder gegenseitig ansteckt.

Prophylaxe: Wie Sie dem Pilz vorbeugen

Prophylaxe: Wie Sie dem Pilz vorbeugen

Insbesondere chronisch Betroffene sollten versuchen einer erneuten Infektion vorzubeugen:

  • Die richtige Intimhygiene: Vermeiden Sie den Gebrauch von aggressiven Waschlotionen und Cremes. Den Intimbereich einmal täglich mit klarem Wasser zu waschen ist ausreichend.
  • Atmungsaktive Unterwäsche: Verzichten Sie auf synthetische Unterwäsche, in der Sie vermehrt schwitzen. Das feuchte Klima fördert das Pilzwachstum.
  • Nach erfolgreicher Therapie die getragene Wäsche möglichst heiß waschen, um noch vorhandene Pilzspuren zu beseitigen.
  • Spezielle Milchsäurekuren aus der Apotheke können ansonsten helfen, das Scheidenmilieu zu stabilisieren.
  • Hormonelle Verhütung: Frauen, die mit der Pille verhüten, sollten nach Möglichkeit auf ein östrogenarmes bzw. gestagenarmes Präparat umsteigen
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