Symbolbild: Frau leidet an Scheideninfektion
Symbolbild: Frau leidet an Scheideninfektion
Untenrum bei Frauen

Scheideninfektion (bakterielle Vaginose)

Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2019

Wenn das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora gestört wird, kann dies zu Erkrankungen der Scheide führen. Die häufigste Infektion der Vagina ist hierbei die bakterielle Scheideninfektion, auch bakterielle Vaginose genannt. Hier liest du, wie du eine solche Infektion erkennst, wann du zum Arzt gehen solltest und wie die Erkrankung behandelt wird.

Der Schutzschild: Wie funktioniert die normale Scheidenflora?

Der Schutzschild: Wie funktioniert die normale Scheidenflora?

Auch eine gesunde Vaginalschleimhaut ist von Natur aus mit vielen unterschiedlichen Bakterien besiedelt. Dies wird als physiologische Scheidenflora bezeichnet und ist ganz natürlich. Um aber die Schleimhaut der Vagina gegen eine Vermehrung dieser potenziell krankmachenden (fakultativ pathogenen) Keime zu schützen, besteht in der Scheide ein saures Milieu.

Verantwortlich hierfür sind Milchsäurebakterien (Laktobazillen), welche nach ihrem Entdecker als Döderlein-Bakterien bezeichnet werden. Sie sorgen über die Produktion von Milchsäure für einen niedrigen, also sauren, pH-Wert unter 4,5. In diesem sauren Milieu können sich die krankmachenden Bakterien nur schlecht oder gar nicht ausbreiten. Aus verschiedenen Gründen kann es jedoch dazu kommen, dass das Gleichgewicht aus schützenden Milchsäurebakterien und krankheitsauslösenden Keimen gestört wird und es so zu einer Infektion kommt.

Die bakterielle Vaginose bezeichnet zunächst einmal nur die Fehlbesiedlung der Scheidenschleimhaut mit zunehmend pathogenen Bakterien. Kommt es durch diese Fehlbesiedlung im Verlauf zu einer Infektion der Scheide, sprechen Medizinern auch von einer Vaginitis oder Kolpitis. In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich bei dem krankheitserregenden Keim um Gardnerella vaginalis.

Dieses Bakterium produziert Amine, welche für den häufig fischartigen Geruch bei einer Scheideninfektion verantwortlich sind. Aus diesem Grund wird eine bakterielle Vaginose bei Zeiten auch als Aminkolpitis bezeichnet.

Ursachen: Wodurch wird das empfindliche Gleichgewicht gestört?

Verschiedene Faktoren können dafür sorgen, dass sich die krankheitserregenden Keime vermehren und gleichzeitig die Zahl der schützenden Milchsäurebakterien abnimmt. Hierdurch steigt der pH-Wert auf Werte über 5 und der natürliche Schutz der Scheide ist außer Gefecht gesetzt.

Die pathogenen Keime vermehren sich so und es entsteht eine bakterielle Vaginose. Zu den Risikofaktoren für eine Vaginainfektion zählen:

  • Fehlerhafte Intimhygiene: Hierzu zählt sowohl mangelnde als auch übertriebene Hygiene (wie z.B. Scheidenspülungen, Intimsprays, parfümierte Seifen)
  • Dauerhaftes Tragen von synthetischer, luftundurchlässiger Unterwäsche, welche zu vermehrter Schweißbildung im Intimbereich führt und so die Vermehrung der Bakterien fördern kann.
  • Extremer psychischer Stress ist einer der Hauptrisikofaktoren für ein Ungleichgewicht im Scheidenmilieu.
  • Ein geschwächtes Immunsystem, wie es bei verschiedenen Erkrankungen der Fall sein kann (u.a. Diabetes, grippale Infekte)
  • Medikamenteneinnahme, und hierbei v.a. die Einnahme von Kortison und Antibiotika kann zur Abnahme der protektiven Milchsäurebakterien führen
  • Kontaktinfektionen: Auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien übertragen werden. Die bakterielle Vaginose zählt zwar offiziell nicht zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (Geschlechstkrankheiten), dennoch haben besonders Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern ein erhöhtes Risiko an einer bakteriellen Infektion der Scheide zu erkranken
  • Schmierinfektionen: Besonders im Rahmen des Toilettenganges können Bakterien aus der Harnröhre oder dem Darm durch „falsches Abwischen von hinten nach vorne“ in die Scheide gelangen und so zu einer Infektion führen. Eine Ansteckung allein durch den Besuch von öffentlichen Toiletten oder Schwimmbädern ist aber nicht möglich.
  • Schwankungen im Östrogenhaushalt, wie es u.a. vorkommt während der Regelblutung, in den Wechseljahren, bei Schwangerschaft und in der Stillzeit
  • Ethnische Herkunft: lateinamerikanische und afrikanische Frauen haben ein deutlich höheres Risiko an einer Scheideninfektion zu erkranken, da sie häufig über weniger Milchsäurebakterien verfügen.
  • Nach Eingriffen im Genitalbereich wie beispielsweise einer Ausschabung/ Schwangerschaftsabbruch, Operationen oder nach Einlegen einer Spirale ist das Risiko einer bakteriellen Vaginose ebenfalls erhöht.

Besonders häufig betroffen von einer bakteriellen Infektion der Scheide sind Frauen im geschlechtsreifen Alter. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen psychischer Stress, häufig wechselnde Sexualpartner, fehlerhafte Intimhygiene und die Einnahme von Medikamenten wie Kortison und Antibiotika.

Symptome: Wie macht sich eine Infektion der Scheide bemerkbar?

Symptome: Wie macht sich eine Infektion der Scheide bemerkbar?

Viele der betroffenen Frauen bemerken eine Infektion erst sehr spät oder haben häufig sogar gar keine Beschwerden. Treten doch Symptome auf, können diese sehr belastend und unangenehm sein. Zu den typischen Symptomen einer bakteriellen Scheideninfektion zählen dabei:

  • ein vermehrter, häufig dünnflüssiger, weißlich-grauer Ausfluss, welcher sich besonders nach dem Geschlechtsverkehr verstärken kann
  • unangenehmer, fisch-artiger Geruch, hervorgerufen durch die vom Bakterium Gardnerella vaginalis produzierten Amine
  • Juckreiz, Brennen und Hautrötung am äußeren und inneren Genital
  • seltener kommt es zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen
Diagnose: Wie wird eine Vaginose festgestellt?

Diagnose: Wie wird eine Vaginose festgestellt?

Treten die typischen Symptome einer bakteriellen Vaginose auf, sollten die Betroffenen möglichst rasch einen Arzt aufsuchen. Der richtige Facharzt ist in diesem Fall der Gynäkologe, aber auch der Hausarzt kann häufig weiterhelfen. Beim Frauenarzt erfolgt zunächst eine ausführliche Anamnese, also eine Befragung bezüglich der persönlichen Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.

Anschließend wird vom Facharzt eine vaginale Untersuchung durchgeführt, ähnlich wie bei einer routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung. Der Arzt oder die Ärztin nimmt dabei einen Abstrich, der anschließend mikroskopisch untersucht werden kann. Typisch für eine bakterielle Vaginose mit Gardnerella vaginalis sind die im Mikroskop sichtbaren sogenannten Schlüsselzellen. Dies sind normale Zellen der Vaginalschleimhaut, die bedeckt sind mit stäbchenförmigen Bakterien.

Ein weiterer Test im Rahmen der Diagnostik ist der Amintest. Hierbei träufelt der Arzt Kalilauge auf den Vaginalschleim. Ist der Test positiv, verstärkt sich hierdurch der fischartige Geruch. Als letztes wird in der Regel noch der pH-Wert in der Scheide ermittelt. Dies geschieht mit Hilfe eines Indikatorstreifens, auf den eine Probe des Vaginalschleims aufgegeben wird.

Bemerkt eine Frau Symptome wie vermehrten, fischartig riechenden Ausfluss, sowie Jucken und Brennen im Intimbereich, sollte sie dies vom einem Gynäkologen untersuchen lassen. Finden sich unter dem Mikroskop Schlüsselzellen, ist der Amintest positiv und der pH-Wert auf über 4,5 erhöht, besteht eine bakterielle Vaginose.

Therapie: Wie wird eine bakterielle Vaginose behandelt?

Therapie: Wie wird eine bakterielle Vaginose behandelt?

Eine bakterielle muss Vaginose in jedem Fall behandelt werden. Geschieht dies nicht, besteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion, welche sich über den Gebärmutterhals bis hin zur Gebärmutter und den Eierstöcken ausbreiten kann. Im schlimmsten Fall kann dies im Verlauf zur Unfruchtbarkeit führen.

Behandelt wird eine bakterielle Infektion der Scheide mit einem Antibiotikum. Das Medikament kann dabei entweder lokal in Form von Cremes oder Zäpfchen direkt in der Scheide verabreicht oder als Tabletten geschluckt werden.

Die Behandlung dauert wenige Tage und als Wirkstoff wird standardmäßig Metronidazol oder auch Clindamycin verabreicht. Eine Mitbehandlung des Partners ist anders als bei sexuell übertragbaren Krankheiten nicht notwendig, da dies das Risiko einer erneuten Infektion nicht verringert.

Chronische Formen der bakteriellen Vaginose

Trotz einer ausreichenden Therapie mit einem Antibiotikum können die Bakterien bei einer bakteriellen Infektion der Scheide nicht vollständig entfernt werden. Die Bakterien bleiben in Form eines sogenannten Biofilms auf der Vaginalschleimhaut.

Dies ist der Grund warum es bei einer bakteriellen Vaginose häufig zu Rückfällen oder chronisch auftretenden Infektionen kommt. In solchen Fällen wird versucht den natürlichen Schutz der Vaginalschleimhaut mit Hilfe von Probiotika und pH-Wert senkenden Mitteln (Azida) zu stärken, um die Rückfallquoten zu senken.

Hausmittel und alternative Behandlungsformen

Gerne wird besonders bei intimen Beschwerden auf Hausmittel und alternative Behandlungen zurückgegriffen. Dies ersetzt aber auf keinen Fall den Besuch beim Facharzt. Die Wirkung von Mitteln wie Joghurt, Milch, Knoblauch, schwarzem Tee oder Sitzbädern mit Apfelessig oder Teebaumöl konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Vielmehr besteht bei einer solchen Selbstbehandlung die Gefahr, dass weitere Keime in die Scheide gelangen und ihre Schleimhaut zusätzlich gereizt wird, wodurch sich die Heilung sogar verzögern kann. Als wirksam haben sich hingegen besonders zur Vorbeugung von erneuten Infektionen die Gabe von Azida (Säuremittel, senken den pH-Wert der Scheide) und Milchsäurebakterien erwiesen, welche in Form von Vaginalzäpfchen gegeben werden und den Heilungsprozess unterstützen können.

Wie schützt man sich vor einer bakteriellen Vaginose?

Wie schützt man sich vor einer bakteriellen Vaginose?

Ist es erst einmal zu einer Infektion gekommen, lässt sich der Gang zum Arzt nicht mehr vermeiden. Um dem vorzubeugen, kannst du allerdings schon selbst einiges dazu beitragen, um den natürlichen Schutz der Schleimhaut nicht zu gefährden.

  • Trage luftdurchlässige Unterwäsche und wechsle feuchte Kleidung, beispielsweise nach einem Schwimmbadbesuch, möglichst rasch.
  • Vermeide übermäßige Intimhygiene mit aggressiven Seifen. Das Waschen mit lauwarmem Wasser ist in der Regel ausreichend.
  • Wische nach einem Toilettengang immer von vorne nach hinten ab, um das Übertragen von Darmbakterien auf die Scheide zu vermeiden.
  • Insbesondere bei häufig wechselnden Partnern sollte nach Möglichkeit ein Kondom verwendet werden, auch um sich vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen
  • Hast du den Verdacht auf eine Infektion, dann können sogenannte pH-Selbsttests hilfreich sein. Zeigen diese einen pH-Wert über 4,5 an, kann dies auf eine bakterielle Vaginose hinweisen und du solltest einen Facharzt aufsuchen.

Auch wenn es sich bei Infektionen im Intimbereich um ein schambehaftetes Thema handelt, sollten Frauen von Selbstdiagnosen und Selbstbehandlungen Abstand nehmen und gleich zum Arzt gehen.

Häufig wird nämlich die Symptomatik einer bakteriellen Vaginose mit einer Pilzerkrankung verwechselt und falsch behandelt. Im schlimmsten Fall kann sich so die Infektion weiter ausbreiten und langfristige Folgen nach sich ziehen.

Wie wirkt sich eine Vaginose in der Schwangerschaft aus?

Wie wirkt sich eine Vaginose in der Schwangerschaft aus?

Einen Sonderfall stellt die bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft dar. Durch die Hormonumstellungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, neigen Frauen in dieser Phase vermehrt zu Infektionen der Scheide.

Aus diesem Grund sollten Veränderungen im Intimbereich besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bakterielle Infektionen werden auch in der Schwangerschaft mit einem Antibiotikum behandelt, welche dem Kind nicht schaden können. Wird eine Scheideninfektion in der Schwangerschaft nicht behandelt, kann dies zu einer Frühgeburt, einem vorzeitigen Blasensprung oder einer Infektion des Kindes führen.

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Quellen:

Service

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