Ein Stapel Handtücher.
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Untenrum bei Frauen

Intimhygiene für Frauen: Was Sie beachten müssen

Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2019

Insbesondere beim sensiblen Intimbereich der Frau ist die richtige Pflege extrem wichtig. Zahlreiche Produkte von Waschlotion, über Pflegegel bis hin zu Feuchttüchern und Intimdeos versprechen die optimale Hygiene im Schambereich. Doch häufig stört übertriebene Reinlichkeit das sensible Gleichgewicht der Vaginalflora und kann so den Weg ebnen für Scheideninfektionen und andere Erkrankungen.   

Empfindliche Scheidenflora: Warum ist die richtige Intimpflege so wichtig?

Empfindliche Scheidenflora: Warum ist die richtige Intimpflege so wichtig?  

Um sich vor eindringenden Keimen zu schützen, besteht in der Scheide ein sogenanntes saures Milieu. Hierbei sorgen Milchsäurebakterien  auf der Vaginalschleimhaut über den Abbau von Zucker zu Milchsäure für einen konstanten pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4. Dieser saure pH sorgt dafür, dass sich schädliche (pathogene) Erreger nicht ausbreiten können. Wird das vaginale Gleichgewicht allerdings gestört, z.B. durch die falsche Intimwäsche, können sich diese Keime ungehindert ausbreiten und nicht selten zu Infektionen der Scheide  führen.  

Insbesondere bei unangenehmen Gerüchen in der Intimregion neigen Frauen zu verstärkter Intimreinigung. Ein veränderter (z.B. fischartiger) Geruch kann aber Hinweis auf eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen im Genitalbereich sein. Besonders wenn zusätzlich Juckreiz, Schmerzen oder vermehrter Ausfluss auftreten, sollteat du deinen Gynäkologen um Rat fragen. Intimwäschen können die Beschwerden der Infektion unter Umständen sogar noch verstärken.   

Optimale Pflege: Was gehört zur richtigen Intimpflege?

Optimale Pflege: Was gehört zur richtigen Intimpflege?   

Prinzipiell sind zwei Fehler bei der Pflege der Intimregion denkbar: übertriebene Hygiene oder aber ein zu geringes Maß an Reinlichkeit. Beides kann für die sensible Schamregion Folgen haben.  

Worauf du bei der richtigen Intimhygiene achten solltest

Benutzen zum Waschen ausschließlich lauwarmes Wasser! Grundsätzlich reicht das einmal tägliche Waschen mit klarem Wasser  im Intimbereich vollkommen aus. Viele Frauen haben dann allerdings noch das Gefühl nicht ausreichend sauber zu sein. Wenn du das Bedürfnis hast, dich auch im Intimbereich mit Seife zu waschen, benutze nach Möglichkeit parfümfreie, milde Waschlotionen, welche speziell auf den pH-Wert der Scheide abgestimmt sind.  

Herkömmliche Seifen und Waschlotionen sind auf den natürlichen pH-Wert der Haut ausgelegt. Dieser liegt deutlich über dem sauren pH-Wert der Vagina, nämlich bei etwa 7. Sie können so die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen und den natürlichen Schutzmechanismus der Vagina stören.  

Verzichte auf die meisten Pflegeprodukte und Hilfsmittel  

Auch wenn mittlerweile diverse Pflegeprodukte speziell für den Intimbereich der Frau auf dem Markt zu finden sind, so kannst du doch getrost auf den größten Teil davon verzichten.  Intimdeos, Feuchttücher, Waschgele & Co. können die Scheidenschleimhaut reizen oder austrocknen und so die Entstehung von Infektionen begünstigen.  

Wasche die Intimregion generell nur von außen. Die Scheide verfügt über einen Selbstreinigungsmechanismus, wodurch Keime über das Vaginalsekret nach außen transportiert werden. Scheidenspülungen und Intimduschen der Vagina sind da eher kontraproduktiv und können sogar schädlich sein.  

Handtücher und Waschlappen bei 60°C Waschen  

Für die optimale Intimreinigung benötigst du im Prinzip nicht mehr als Wasser und die eigenen Hände. Solltest du dennoch einen Waschlappen verwenden wollen, sollte dieser spätestens nach einigen Tagen gewaschen  werden, da sich hier ansonsten Keime ungehindert ausbreiten können.  

Auch ihr Handtuch solltest du regelmäßig wechseln. Tupfe nach dem Duschen oder Baden die Intimregion immer sorgfältig trocken. Sowohl Handtücher, als auch Waschlappen sollten bei 60°C  gewaschen werden, um Keime restlos zu entfernen.  

Wechsle regelmäßig deine Unterwäsche  

Ebenso wie Handtücher und Waschlappen sollte auch die Unterwäsche regelmäßig gewechselt werden.  Wechsle die Unterwäsche täglich, nach dem Sport oder wenn Du viel geschwitzt hast auch häufiger. Nach Möglichkeit solltest du Wäsche aus Baumwolle bevorzugen. Diese ist luftdurchlässig und verhindert so ein feucht-warmes Klima, in dem sich Bakterien besonders gut vermehren können.  

Tangas sind zwar hübsch anzusehen, aus hygienischer Sicht sind allerdings herkömmliche Slips die bessere Wahl. Tangas können über Reibung in der Analregion zum einen zu Mikroverletzungen führen, welche Infektionen begünstigen, zum anderen werden so vermehrt Darmbakterien Richtung Scheide und Harnröhre transportiert.  

Die richtige Hygiene nach dem Toilettengang  

Eine einfache Regel zur richtigen Intimpflege betrifft die richtige Hygiene nach dem Toilettengang.  Wische dich immer von vorne nach hinten ab. So wird verhindert, dass Darmbakterien vom Darmausgang nach vorne Richtung Harnröhre und Scheide transportiert werden und hier zu Infektionen führen. Darmbakterien sind häufig Ursache für Blasen- und Harnröhrenentzündungen.  

Keine spezielle Pflege während der Menstruation nötig  

Häufig haben Frauen besonders während ihrer Regelblutung das Gefühl, den Intimbereich besonders gründlich reinigen zu müssen, um unangenehmen Gerüchen vorzubeugen. Dennoch gilt auch in der Zeit während der Menstruation, dass übertriebene Intimreinigung die Vaginalflora schädigen kann und es so vermehrt zu Infektionen kommt. Eine spezielle Reinigung  ist also auch in dieser Zyklusphase  nicht notwendig. Achte aber darauf Tampons oder Binden regelmäßig zu wechseln.  

Intimrasuren führen zu Mikroverletzungen und Entzündungen

Intimrasuren führen zu Mikroverletzungen und Entzündungen  

Die Intimrasur gehört besonders bei jüngeren Frauen heutzutage zur Intimpflege ganz selbstverständlich mit dazu. Allerdings erhöht eine Intimrasur auch das Risiko für Infektionen im Intimbereich.  

Jede Frau, die ihren Intimbereich regelmäßig rasiert, kennt auch die kleinen roten Pickelchen, die gerne nach einer Rasur auftreten. Hierbei handelt es sich um Hautirritationen und Mikroverletzungen, welche dazu neigen sich zu entzünden.  Haarwurzelentzündungen bis hin zu Abszessen im Genitalbereich können die Folge sein.   

Achte beim Rasieren der Schamhaare darauf,  mit dem Haarstrich  zu  rasieren  und verwende  milde Waschlotionen.  

Hygiene in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Hygiene in der Schwangerschaft und nach der Geburt  

Besonders in der Schwangerschaft und nach der Geburt ist die richtige und sorgfältige Intimhygiene extrem wichtig. Das saure Milieu der Vagina verhindert auch während einer Schwangerschaft das Aufsteigen von infektiösen Erregern, welche schädlich für das Ungeborene sein können. Eine  Reinigung mit speziellen Pflegeprodukten ist aber auch in der Schwangerschaft nicht notwendig, es reicht regelmäßiges Waschen mit Wasser.  

Nach der Geburt, im sogenannten Wochenbett, ist ebenfalls eine gründliche Reinigung im Intimbereich wichtig, um die Wundheilung optimal zu unterstützen. Verletzungen, welche unter der Geburt entstanden sind, müssen nun heilen.  Seifen  oder  parfümierte Waschlotionen können Reizungen hervorrufen  und die Wundheilung so verzögern. Verwende in der Zeit im  Wochenbett  ausschließlich  Binden und Slipeinlagen. Tampons verhindern den ungehinderten Ablauf des Wochenflusses und können zusätzlich zu Reizungen der Vaginalschleimhaut führen.  

Sobald der Wochenfluss beginnt unangenehm zu riechen, Schmerzen im Unterleib auftreten oder du Fieber bekommen, solltest du dich umgehend an deinen Gynäkologen wenden  

Intimpflege nach dem Geschlechtsverkehr

Intimpflege nach dem Geschlechtsverkehr 

In Abhängigkeit von den Sexualpraktiken, kommt es beim Geschlechtsverkehr immer auch mehr oder weniger zur Verschleppung von Keimen aus dem Analbereich in die Scheide oder auch in die Harnröhre bzw. aufsteigend in die Harnblase. Hierdurch werden Infektionen, wie beispielsweise Blasenentzündungen begünstigt. Es empfiehlt sich nach dem Sex den Genitalbereich gründlich mit Wasser zu waschen  um einer Entzündung vorzubeugen.  

Pflege bei trockener Haut im Intimbereich

Pflege bei trockener Haut im Intimbereich  

Bei trockener Haut im Genitalbereich, wie es häufig bei Frauen in den Wechseljahren vorkommt oder im Rahmen verschiedener Hauterkrankungen, sollte besonders auf übermäßiges Waschen verzichtet werden. Es trocknet genauso wie die Verwendung von Seifen und Waschlotionen die Haut nur zusätzlich aus. Bei extrem trockener Haut im Intimbereich können bestimmte Fettcremes und Salben Linderung verschaffen. Sprich bei Problemen mit trockener Haut im Genitalbereich deinen Gynäkologen an.  

Fazit 

  • Um den Intimbereich bestmöglich zu reinigen und zu pflegen brauchst du im Prinzip nicht mehr als klares Wasser und deine Hände.
  • Einmal täglich waschen reicht vollkommen aus. Auch während der Menstruation, in der Schwangerschaft oder nach dem Geschlechtsverkehr ist keine spezielle Pflege notwendig.
  • Pflegeprodukte wie Seifen, Feuchttücher oder Intimdeos können die empfindliche Vaginalflora schädigen und zu Reizungen und Entzündungen führen

 

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