Wurmbefall bei Menschen: Symbolbild
Wurmbefall bei Menschen: Symbolbild
Untenrum am Po

Wurmbefall beim Menschen: Symptome und Behandlung

Zuletzt aktualisiert am: 05.09.2019

Wer etwas von Wurmerkrankungen hört, denkt sofort an den Urlaub in den Tropen. Aber auch in Deutschland sind verschiedene Darmparasiten zuhause und tummeln sich vor allem in Rindfleisch, im Wald und im Sandkasten. Fadenwürmer (Nematoden) und Bandwürmer (Zestoden) treten regelmäßig auf, Saugwürmer (Trematoden) gehören zu den seltenen Exoten. Die Diagnose stellt der Arzt meist mit dem Mikroskop einer Stuhlgang-Untersuchung. Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten über wenige Tage. Meist besteht also kein Grund zur Aufregung, wenn du ein verdächtiges Stück Bandwurm in der Toilette entdeckst.

Der Bandwurm: Wie kommt er in den Menschen?

Der Bandwurm: Wie kommt er in den Menschen?

Von Bandwürmern hast du sicher schon einmal gehört. In Deutschland kommen die Parasiten im Fleisch von Rind und Schwein und in Fisch vor. Der Genuss von rohem Fleisch kann zu einer Infektion beim Menschen führen. Die sogenannten Finnen des Bandwurms wandern nach der Aufnahme durch Magen und Darm und heften sich im Dünndarm mit vier kräftigen Saugnäpfen an die Schleimhaut. Schnell reift die Finne zum erwachsenen Bandwurm heran, der bis zu 10 Meter lang werden kann.

Ein Bandwurm lebt mitunter Jahre und Jahrzehnte im menschlichen Dünndarm, ohne dass er entdeckt wird. Typische Symptome fehlen, eventuell treten Bauchschmerzen auf oder eine leichte Blutarmut durch den Mangel an Vitamin B12. Circa drei Monate nach der Erstinfektion beginnt der Bandwurm regelmäßig seine mit Eiern gefüllten Endglieder abzustoßen. Sie erscheinen manchmal sichtbar im Stuhl und ermöglichen es dem Arzt, eine Diagnose mit dem bloßen Auge zu stellen. Unter dem Mikroskop erkennt der Arzt dann auch die Eier der Parasiten.

Die Therapie erfolgt unkompliziert mit Tabletten. Niclosamid, Praziquantel und Mebendazol stehen zum Beispiel zur Verfügung.  

Bandwürmer, die in Deutschland vorkommen, sind: 

  • Rinderbandwurm (Taenia saginata) 
  • Schweinebandwurm (Taenia solium) 
  • Fischbandwurm (Bothriocephalus latus) 

Was ist eine Echinokokkose?

Daneben leben in Deutschland auch Bandwürmer im Darm von Hunden, Katzen und Füchsen. Menschen können sich im Kontakt mit Haustieren oder im Wald beim Sammeln von Beeren mit den sogenannten Echinokokken infizieren.

  • Echinococcus granulosus (Hundebandwurm) befällt den Darm von Hunden und kommt häufiger vor. 
  • Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) wohnt im Darm von Katzen und Füchsen und wird selten in der Arztpraxis gesehen.  

Infiziert sich ein Mensch mit dem Hunde- oder dem Fuchsbandwurm, kann er eine Echinokokkose entwickeln. Aus den aufgenommenen Eiern entwickeln sich Larven, die in der Lage sind, in verschiedene innere Organe einzuwandern.

Da der Mensch ein sogenannter Fehlwirt ist, können die Larven erheblichen Schaden anrichten. In Leber und Lunge bilden sie tumorähnliche Blasen, die sich wie Metastasen bei einer Krebserkrankung in weiteren Organen (Milz, Gehirn) ansiedeln können. Eine Blase kann über 1000 Bandwurmköpfe enthalten. Beschwerden treten erst nach Jahren auf, wenn die wachsende Bandwurmmasse die Funktion der betroffenen Organe beeinträchtigt.

Reißt eine Blase auf, kann der Körper mit einer allergischen Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock antworten. Der Arzt stellt seine Diagnose mit bildgebenden Verfahren wie zum Beispiel dem Ultraschall, dem Röntgen oder einer Computertomografie. Im Blut einiger Patienten befinden sich Antikörper, die der Mediziner im Labor nachweisen kann. Wenn möglich entfernt ein Chirurg die Zysten operativ. Alternativ stehen die Medikamente Albendazol und Mebendazol zur Verfügung. Sie führen aber nicht immer zur Heilung.  

Der Spulwurm: Was tun bei einer Infektion?

Der Spulwurm: Was tun bei einer Infektion?

Der Spulwurm (Ascaris lumbricoides) ist auf der ganzen Welt zu Hause. Wissenschaftler schätzen circa eine Milliarde infizierte Menschen. In Deutschland kommt der Spulwurm selten vor, aber aus dem Urlaub in Südostasien, Afrika sowie Lateinamerika kann er sich einschleichen. Spulwürmer gelangen als Eier in den menschlichen Organismus. Sie kommen in ungewaschenem Gemüse, verunreinigtem Wasser und in der Erde vor.

Hat man sich erst einmal angesteckt, wandern die im Dünndarm geschlüpften Larven in Blutgefäße der Darmwand ein. Mit dem Blutstrom gelangen sie über die Leber in die Lunge. Von dort wandern sie durch die Luftröhre in den Magen-Darm-Trakt weiter,  wo sie es sich wieder im Dünndarm gemütlich machen und erwachsen werden. Nun produzieren sie Eier, die der menschliche Wirt mit dem Stuhl ausscheidet. Die Inkubationszeit beträgt circa acht Wochen.  

Symptome für eine Spulwurm-Infektion

Ein leichter Spulwurmbefall verursacht meist keine Symptome. Nimmt die Anzahl der Würmer aber zu, ähneln die Symptome teilweise einem grippalen Infekt. Mögliche Anzeichen für eine Spulwurminfektion sind: 

  • Husten 
  • leichtes Fieber 
  • Bauchschmerzen 
  • Übelkeit 
  • Erbrechen 
  • Durchfall 
  • Stau von Gallenflüssigkeit 
  • allergische Symptome 
  • Hautausschlag

Bei massivem Wurmbefall kann es in seltenen Fällen sogar zu einem Darmverschluss kommen. Der Arzt entdeckt den Spulwurm mit dem Mikroskop. Die Eier sind im Stuhl zu finden. Erwachsene Spulwürmer ähneln Regenwürmern und sind 15 bis 40 Zentimeter lang.

Nur eine wiederholte Therapie hilft 

Die Medikamente Pyrantelpamoat, Mebendazol sowie Albendazol stehen für die Behandlung des Spulwurms zur Verfügung. Sie töten allerdings nur die Würmer im Darm ab. Alle Stadien, die sich noch auf der Wanderung durch den Körper befinden, leben weiter. Eine zweite Therapie nach zwei bis drei Wochen beendet den Befall endgültig.   

Der Bandwurm: Auch bekannt als Kindergartenparasit

Der Madenwurm: Auch bekannt als Kindergartenparasit

Kratzt sich dein Kindergartenkind häufig am Po, und das besonders nachts im warmen Bett, könntest du einen ungebetenen Gast haben. Der Madenwurm (Oxyuren, Enterobius vermicularis) lebt mit seiner Großfamilie im Dickdarm und im unteren Dünndarm, gerne bei Kindern in einem Alter von fünf bis neun Jahren. Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren sind ebenfalls häufig betroffen, was daran liegen mag, dass sie zu Hause Kinder im Grundschulalter haben und sich bei ihnen anstecken.

Madenwürmer sind weiß und haben eine Länge von zwei bis fünf Millimetern (Männchen) oder von acht bis dreizehn Millimetern (Weibchen). Sie sind mit dem bloßen Auge erkennbar, wenn sie nachts aus dem Enddarm krabbeln und ihre Eier in den Analfalten ablegen. Dieses Verhalten ruft den typischen unangenehmen  Juckreiz am After hervor.  

Wie der Madenwurm in den Darm gelangt 

Verunreinigte Lebensmittel, schmutziges Trinkwasser und kontaminierte Gegenstände führen zur Aufnahme der Wurmeier über den Mund in den Körper. Im Darm entwickeln sich die Eier zu Larven und Würmern weiter. Nachts, wenn es unter der Bettdecke warm ist, wandern die Weibchen an das Ende des Darms und legen außen um den After herum ihre Eier ab. Das infizierte Kind kratzt sich am juckenden Po und steckt später wieder die Finger in den Mund. So gelangen die Eier erneut in den Darm und es entsteht ein ständiger Kreislauf, der die Infektion aufrechterhält. Die Inkubationszeit beträgt wenige Wochen bis Monate.            

Wie du einen Befall mit Madenwürmern bei deinem Kind erkennst 

Klagt dein Kind plötzlich aus völliger Gesundheit heraus über Juckreiz am After, kratzt sich sogar im Schlaf am Po und fällt zwischendurch mit Bauchschmerzen auf, ist es Zeit für einen Besuch beim Kinderarzt. Bei einigen Kindern entzündet sich sogar der After, und bei Mädchen auch die Scheide durch das ständige Kratzen. Der Mediziner wird wahrscheinlich eine Infektion mit Madenwürmern in Betracht ziehen und sich den Darmausgang des kleinen Patienten genau ansehen. 

Falls du den Verdacht zu Hause schon selbst hattest, stehen die Chancen nachts am besten, einen Blick auf die unerwünschten Mitbewohner zu erhaschen. Häufig wuseln die kleinen weißen Würmchen aber auch auf dem Stuhl herum. Um die Prozedur in der Kinderarztpraxis möglichst kurz zu halten, nimmst du am besten gleich eine frische Stuhlprobe mit. Der Arzt kann sie direkt unter dem Mikroskop untersuchen oder ins Labor schicken. Eine weitere Möglichkeit, die Diagnose rasch zu stellen ist der Klebestreifentest. Hier klebt der Kinderarzt einen Tesafilmstreifen auf die Haut um den After, zieht ihn wieder ab und sucht unter dem Mikroskop nach Wurmeiern. Findet er Eier, ist die Diagnose gesichert. 

Wie der Kinderarzt einen Madenwurmbefall behandelt 

Ein Befall mit Madenwürmer stellt keine Gefahr für den kleinen Patienten dar. Die unappetitliche Situation wird durch eine Wurmkur in Tablettenform rasch beseitigt. Eine einmalige Gabe von Pyrantel oder Mebendazol, die zur Sicherheit nach zwei Wochen wiederholt werden kann, ist ausreichend. Gegen den quälenden Juckreiz kannst du erst den After mit einem kalten Waschlappen kühlen und dann eine Zinkpaste oder Heilsalbe auftragen. Ein Antihistaminikum hilft in Form von Tropfen oder Saft und macht gleichzeitig etwas müde für die Nacht. Circa 24 Stunden nach der ersten Behandlung spüren die meisten Kinder keinen Juckreiz mehr.    

Hygienemaßnahmen für die Familie 

Bitte wasche aber auch die Bettwäsche, alle Handtücher, alle Schlafanzüge und die Unterwäsche deines Kindes bei mindestens 60 Grad Celsius in der Waschmaschine, um eventuell vorhandene Eier auszurotten. Wechsle die Bettwäsche, Handtücher und Kleidung in der ersten Woche nach der Behandlung täglich. Erinnere dein Kind zusätzlich daran, mehrmals täglich, besonders nach dem Stuhlgang  und vor jeder Mahlzeit, seine Hände gründlich mit Seife zu waschen.  

Hat ein Familienmitglied Madenwürmer, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch weitere Personen befallen sind. Wasch am besten über mindestens eine Woche täglich alle Betten und Handtücher und behandle die ganze Familie mit einer Wurmkur. In Deutschland verschreiben Ärzte hauptsächlich die Medikamente Mebendazol und Pyrantel zu diesem Zweck.

Kinder ab einem Alter von zwei Jahren dürfen Mebendazol einnehmen, jüngere Kleinkinder und Säuglinge bekommen Pyrantel. Die Wirkstoffe sind effektiv und gut verträglich, aber auch verschreibungspflichtig. Da es bei Kindern sinnvoll ist, bei Verdacht auf Würmer erst Stuhlproben beim Kinderarzt untersuchen zu lassen, ist es auch kein Problem bei Bedarf an ein Rezept zu kommen.  

Wurmkur mit Hausmitteln 

Hast du die Würmer im Stuhl deines Kindes schon gesehen, oder hat deine Tochter oder dein Sohn Beschwerden, gehst du bitte zum Kinderarzt. Wer nur vorbeugen möchte oder den Verlauf noch beobachtet, kann für kurze Zeit zu alten Hausmitteln greifen. Probier es mit einer Portion roher Karotten auf nüchternen Magen vor dem Frühstück oder gib deinem Kind morgens Sauerkrautsaft oder rohes Sauerkraut. Eventuell zeigt sich der Patient von dieser Therapie nicht sehr beeindruckt und verweigert besonders das Sauerkraut. Einen Versuch ist es wert. Der reinigende Effekt der Rohkost auf den Darm nimmt möglicherweise die unliebsamen Bewohner mit nach draußen.       

Wurmkur aus der Homöopathie 

Viele Eltern greifen zu homöopathischen Medikamenten, bevor sie die Schulmedizin nutzen. Im Fall einer Wurmerkrankung solltest du vorsichtig sein. Sprich deinen Kinderarzt auf das Thema an und kombiniere Mebendazol oder Pyrantel mit einem homöopathischen Mittel. Sulfur, Silicea und Artemisia cina wird eine Wirkung auf Würmer nachgesagt, ist aber keinesfalls belegt. Teucrium marum kann eventuell den Juckreiz lindern.      

Wie lange dauert eine Wurmerkrankung? 

Spätestens nach der zweiten Dosis der Wurmkur sollte der Spuk vorbei sein. Da Wurmeier aber noch wochenlang auf dem Teppich oder auf Spielzeug überleben können, empfehlen Mikrobiologen die strengen Hygienemaßnahmen circa sechs Wochen lang zu Hause anzuwenden. Das regelmäßige Händewaschen nach dem Stuhlgang und vor dem Essen sollte eine Selbstverständlichkeit bleiben.    

Warum erkrankt mein Kind wiederholt an Würmern? 

Wenn immer wieder Würmer im Stuhl deines Kindes zu finden sind, waren die Hygienemaßnahmen nicht ausreichend oder die Wurmkur wurde vielleicht nur einmal durchgeführt. Das verordnete Medikament nimmt der Patient einmal direkt nach der Diagnose und ein zweites Mal 14 Tage später ein. Bei Bedarf wiederholen Sie die Behandlung ein weiteres Mal vier Wochen nach der Diagnose. Im Zweifelsfall kann der Kinderarzt erneut Stuhlproben untersuchen. Vergessen Sie bei den Hygienemaßnahmen auch Kuscheltiere und Spielsachen nicht. Weiß der Kindergarten oder die Schule Bescheid? Wird dort nicht ausreichend auf Hygiene geachtet, steckt sich dein Kind immer wieder neu an.  

Weitere Tipps 

  • Wenn du dein Kind morgens gründlich badest, kannst du direkt alle Eier der letzten Nacht vom After entfernen.  
  • Schneide deinem infizierten Kind die Fingernägel möglichst kurz. Dann können sich weniger Wurmeier darunter verbergen. Beim unwillkürlichen Kratzen am juckenden Po sammelt der kleine Patient sie alle ein.  
  • Putze das Schlafzimmer sehr gründlich, sobald die Behandlung durchgeführt wurde. Wurmeier fliegen gerne durch die Luft, wenn zum Beispiel die Bettdecke aufgeschüttelt wird. Sie überleben auf dem Teppich oder auf Spielsachen bis zu drei Wochen.   
  • Stecke Spielsachen aus der Sandkiste im Garten oder vom Spielplatz regelmäßig in die heiße Spülmaschine, um Wurmeier rechtzeitig abzutöten. 
  • Falls du eine Katze oder einen Hund hast, entwurme diese regelmäßig.  
Weiterlesen

Quellen:

  • Herold, Gerd; Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Illing, Stephan; Claßen, Martin; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer; München 2009
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