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Steißbeinfistel: Was ist das und was hilft?

Zuletzt aktualisiert am: 05.09.2019

Der Name „Steißbeinfistel“ wird als Überbegriff für Entzündungen im oberen Bereich der Gesäßfalte verwendet.  Diese können viele Ursachen haben, von denen die häufigste der Sinus pilonidalis ist. In der medizinischen Fachsprache werden beide Begriffe oft gleichbedeutend gebraucht. Die Auslöser für einen Sinus pilonidalis sind eingewachsene Haare („Pilus“ heißt im Lateinischen „das Haar“, „Nidus“ heißt „das Nest“). 

Wie entsteht eine Steißbeinfistel?

Wie entsteht eine Steißbeinfistel? 

In der Gesäßfalte liegt flächig Haut auf Haut.  

Wenn man über eine stärkere Behaarung in dieser Region verfügt, wachsen Haare durch die Reibung nicht nur „nach außen“: Da ein Haar an der Oberfläche leicht schuppig ist, klettert es durch Reibung wie mit Widerhaken in die tieferen Schichten der Haut hinein. Beim Einwachsen werden winzige Hornschüppchen mit unter die Haut transportiert. So bilden sich kleine Nester aus Haaren, Hautschuppen und dem normalen Hautfett. Diese drei Grundlagen stellen einen idealen Nährboden für Bakterien dar. Wenn ein Hautkeim von außen den Weg mit den eingewachsenen Haaren in diese Haarbälger findet, kommt es zu akuten oder chronischen Entzündungen. 

Der Körper möchte sich gerne vor Infektionen schützen. Deshalb bildet er um die Bakterien herum Narbengewebe und kapselt den betroffenen Bereich ab.  

Der ursprüngliche Transportweg bleibt aber weiter erhalten, so dass die Größe der Haarnester zunimmt. Auch die Bakterien vermehren sich weiter. So entstehen kleine entzündliche Narbengänge, die man Fisteln nennt. 

Dieser Vorgang wird durch mechanische Reize gefördert. Daher wurde die Steißbeinfistel in der amerikanischen Armee „Jeep rider´s disease“ genannt, nachdem eine Häufung von erkrankten Soldaten durch die ungefederten Fahrzeuge beobachtet wurde. 

Trotzdem gibt es noch andere mögliche Gründe für Entzündungen in dieser Region. Angeborene Fehlbildungen des Steißbeins oder ältere Blutergüsse sind nur zwei von vielen Beispielen. 

Gemeinsam ist allen Formen der Steißbeinfistel, dass keine Verbindung mit dem After oder dem Darm besteht. Dies wäre dann typisch für die unter dem Begriff „Analfistel“ bekannten Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen, aber völlig anders behandelt werden müssen. 

 

Ich habe gehört, eine Steißbeinfistel sei eine Form der Akne. Stimmt das? 

Eine Steißbeinfistel selber kann viele Ursachen haben. Diese Behauptung bezieht sich nur auf den Sinus pilonidalis, der häufig in Kombination mit verschiedenen Akne-Erkrankungen auftritt.  

Sollte bei dir neben einem Sinus pilonidalis auch eine Neigung zu Abszessen in anderen Körperregionen bestehen, lohnt es sich, in einer Hautklinik vorstellig zu werden. Ein Dermatologe kann hier alle Therapiemöglichkeiten näher beleuchten. 

 

Wie häufig ist eine Steißbeinfistel? 

Im Schnitt finden sich unter 100.000 Einwohnern 26 Menschen mit einer Steißbeinfistel. 

Männer sind deutlich häufiger als Frauen betroffen (etwa im Verhältnis 2:1). Das liegt unter anderem an dem geschlechtsspezifischen Behaarungstyp. Am häufigsten betroffen sind junge Männer zwischen 20 und 30, allerdings ist das Problem weit gestreut und kann jeden treffen. 

 

Wie sieht eine Steißbeinfistel aus und welche Stadien gibt es?

Wie sieht eine Steißbeinfistel aus und welche Stadien gibt es? 

Um zu erkennen, ob du eine Steißbeinfistel hast, genügt oft schon ein Blick mit dem Spiegel auf die betroffene Region, während du vorsichtig die Pobacken auseinanderziehst. 

Man unterscheidet bei der Steißbeinfistel die 

  • blande Verlaufsform, 
  • die chronische Verlaufsform 
  • die akute Verlaufsform. 

 

Die blande Verlaufsform 

Am häufigsten ist eine völlig blande Verlaufsform der Steißbeinfistel. Hier finden sich zwar Haarbälger unter der Haut, aber es sind noch keine Bakterien hierhin vorgedrungen oder das Immunsystem kann sie noch ausreichend bekämpfen. Daher gibt es noch keine Zeichen einer Entzündung. 

Im Bereich der oberen Gesäßfalte finden sich einige kleine Poren, aus deren Tiefe Härchen nach oben sprießen. Der Betroffene spürt weder Schmerzen noch andere Entzündungszeichen.  

 

Die chronische Verlaufsform 

Bei der chronisch-fistelnden Verlaufsform sind die Haarbälger bereits mit Bakterien besiedelt. Es finden sich noch keine schmerzhaften, typischen Entzündungszeichen, aber aus den Fistelöffnungen treten öfter kleine Mengen Flüssigkeit aus. Bei dieser Flüssigkeit handelt es sich um Wundsekret, eitrig oder blutig angefärbte Flüssigkeit. Um einer Verschmutzung der Unterwäsche vorzubeugen, werden oft Vorlagen verwendet. Wenn sich die Haut über den Haarbälgern verschließt, wirkt die chronische Verlaufsform wie kleine Pickel, die gelegentlich aufbrechen (oder die man aufdrücken kann), die aber keinerlei Abheilungstendenz zeigen. 

Durch das feuchte Milieu kommt es im Verlauf zu einer Hautreizung, die juckt und brennt.

 

Das akute Stadium 

Da im Fistelbereich gute Lebensbedingungen für Bakterien bestehen, kann aus der blanden oder der chronischen Form innerhalb von Stunden eine akute Erkrankung mit starken Schmerzen entstehen. 

Hierbei ist die Geschwindigkeit, in der die Krankheit fortschreitet, von den Gegebenheiten im Fistelkanal abhängig. Hygiene und persönliche Umstände haben hierauf wenig Einfluss. 

Die akute Form der Steißbeinfistel äußert sich als Abszess. Starke Schmerzen bei jeder Bewegung machen Sitzen und Laufen zur Qual. Lokal findet sich eine deutliche Schwellung. Hier ist auch der Punkt der größten Schmerzen. Die Körperoberfläche ist überwärmt, man tastet oft eine prall-elastische Flüssigkeitsansammlung. Die Umgebung der Haut ist gerötet. In diesem Stadium kann es auch zu einem spontanen Durchbruch der Entzündung kommen, dann entleert sich trübe, übel riechende Flüssigkeit oder rahmiger Eiter aus der Wunde. 

 

Was sind die Risikofaktoren für die Entstehung einer Steißbeinfistel?

Was sind die Risikofaktoren für die Entstehung einer Steißbeinfistel? 

Wenn man die Entwicklung der Erkrankung kennt, lassen sich daraus schon viele Risikofaktoren ableiten: 

Da das Einsprossen der Haare maßgeblich durch einen lokalen mechanischen Reiz beeinflusst wird, steigt das Risiko durch die Behaarung genauso wie durch vermehrte Reibung und durch alles, was ein feucht-warmes Milieu in der Gesäßfalte begünstigt. 

  • starker Haarwuchs an Rücken und Gesäß, 
  • genetische Faktoren (familiäre Häufung), 
  • enges (apfelförmiges) Gesäß, 
  • Übergewicht, 
  • langes Sitzen, vor allem in Verbindung mit mechanischen Reizen (Autofahrt etc.), 
  • Schwitzen, 
  • zu enge, wenig saugfähige Unterwäsche, 
  • mangelnde Hygiene, 
  • geschwächtes Immunsystem, 
  • Begleiterkrankungen aus dem Formenkreis der Akne. 

Man muss sich allerdings vor dem Umkehrschluss hüten: 

Eine Steißbeinfistel ist kein Hinweis auf Übergewicht, falsche Kleidung oder mangelnde Hygiene.  

Eine häufig gestellte Frage ist, ob Rauchen das Risiko für die Entstehung von Steißbeinfisteln erhöht. Einen direkten Zusammenhang konnte man bisher nicht nachweisen. Grundsätzlich ist Nikotingenuß für die Wundheilung und das Immunsystem von Nachteil. Auch zeigen Studien einen Zusammenhang zwischen Zigarettenrauch und Hautentzündungen aus dem Kreis der Akne. 

 

Welcher Arzt kann mir helfen?

Welcher Arzt kann mir helfen? 

Die Behandlung von Steißbeinfisteln erfolgt durch einen Facharzt für Chirurgie, Dermatologie oder einer verwandten Fachrichtung. Im besten Fall besitzt der behandelnde Arzt die Zusatzbezeichung Proktologie, also für die Kunde der Enddarm-Erkrankungen. 

Der Spezialist kann feststellen, ob wirklich eine Steißbeinfistel vorliegt oder ob die Entzündung keine anderen Ursachen hat. 

Oft ist zum Ausschluss einer Erkrankung wie der Analfistel (also einer Verbindung zum Darm) eine Mast- oder Enddarmspiegelung notwendig. Das klingt unangenehm, ist aber nicht schlimmer als ein normaler Stuhlgang. Eine Betäubung ist hierfür nicht notwendig. 

 

Was kann ich selber dazu beitragen, um meine Steißbeinfistel zu behandeln? 

Die Wahl der Behandlungsmethode ist vor allem vom jeweiligen Stadium abhängig. 

Sollten die kleinen, haarigen Poren durch Zufall aufgefallen sein, empfiehlt sich ein abwartendes Vorgehen. Es besteht kein Grund zur Sorge. Wenn man sorgfältig auf ein trockenes, sauberes Milieu im Gesäßbereich achtet, starkes Schwitzen vermeidet und die Haut dieser Region pflegt, kann man einer Entzündung der Fistel gut vorbeugen. 

Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von Cremes und Salben im Fistelbereich. Die aufgetragenen Substanzen dringen sonst in die Poren ein, nehmen die Keime der normalen Hautflora mit in die Tiefe und sind ebenfalls ein guter Nährboden für entzündungsbildende Bakterien. Hier gilt es, den Bereich auszusparen und ggf. eine trockene Kompresse zum Schutz vorzulegen. 

Da die Steißbeinfistel eine Erkrankung der Haare und Haarwurzeln ist, bietet sich eine konsequente Haarentfernung als vorbeugende Maßnahme an. 

Hierbei sollte man kritisch alle die Enthaarungsmethoden vermeiden, die wieder zu eingewachsenen Härchen führen können.  

Eine definitive kosmetische Enthaarung durch Laser ist einer Rasur oder einer Enthaarungscreme vorzuziehen. Diese Maßnahmen werden aber nicht durch Krankenkassen übernommen. 

In Fachkreisen umstritten ist die Frage, ob spezielle Kissen der Entstehung einer Steißbeinfistel vorbeugen können oder nicht. Bei der Herausbildung eines Sinus pilonidalis ist aber die Reibung in den Hautfalten entscheidend, nicht eine sitzende Tätigkeit selber. Studien existieren zu diesem Thema nicht.  

Da die Poren meistens weit genug vom After entfernt liegen, ist beim Stuhlgang keine besondere Vorsicht notwendig. Nur bei extrem tief liegenden Fistelöffnungen oder bei offenen Wunden sollte man nach dem Stuhlgang auf das normale Klopapier verzichten.  

Stattdessen bietet es sich an, den After mit reichlich klarem, handwarmen Wasser ohne Zusätze auszuduschen. Anschließend sollte man diese Region vorsichtig mit einem sauberen Tuch austupfen, ohne zu reiben.  

Vorsicht geboten ist es bei allen Arten von Stuhlregulation. Auch wenn es sich zunächst so anhört, als ob weicher Stuhl Schmerzen beim Stuhlgang vorbeugt, ist das ein Trugschluss.  

Weicher Stuhl ist aufgrund seiner Zusammensetzung aggressiver zur Haut als eine festere Ausscheidung. 

Aus hygienischer Sicht schmiert geformter Stuhl weniger als flüssiger. Er lässt sich leicht mit Wasser wegspülen, während bei flüssigem Stuhlgang die Gefahr der Keimverschleppung größer ist. 

 

Behandlung der Steißbeinfistel - fest in chirurgischer Hand

Die Behandlung der Steißbeinfistel – fest in chirurgischer Hand 

Wenn es zu einer deutlichen Zunahme der Beschwerden kommt, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass Bakterien die Steißbeinfistel besiedelt haben. 

Durch die Vermehrung der Keime kann trübes Wundsekret und Eiter entstehen. Wenn dieser nicht mehr adäquat über die Fistelöffnungen abfließen kann, kommt es zu einem Sekretstau. Der Patient spürt diesen Stau als eine schmerzhafte Schwellung, die bis hin zum Abszess führen kann.  

Um die Schmerzen zu beseitigen und um die Bakterien wieder aus dem Körper zu entfernen, muss man das Sekret nach außen ableiten. Oft kommt es schon dazu, dass der Abszess ohne ärztliches Zutun perforiert. Wundflüssigkeit und Eiter treten aus der entstandenen Wunde aus. Meistens erlebt man trotzdem den spontanen Durchbruch der Entzündung als unglaubliche Erleichterung und deutliche Befundbesserung, weil der Druck entlastet ist. Dadurch sinken die Schmerzen. Weil die Bakterien nach außen abfließen können, steigt auch das Allgemeinbefinden. 

Spätestens, wenn zu der schmerzhaften Schwellung schwere Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder erhöhte Temperaturen kommen, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. 

Eine Entwicklung der Krankheit kann schnell (innerhalb weniger Stunden) fortschreiten. Wenn die Beschwerden an einem Wochenende oder abends auftreten, kann passieren, dass kein Proktologe erreichbar ist. Zur Erstbehandlung ist allerdings jeder chirurgisch tätige Arzt geschult.  

Im Abszessstadium wird das gesamte Gewebe im Bereich der Steißbeinfistel wässrig aufgetrieben. Durch die Bakterien sendet der Körper Stoffe zur Entzündungshemmung in diese Region. Daher ist es fast unmöglich, im akuten Fall während der Operation jeden Fistelgang sicher zu finden. 

Es ist deshalb sinnvoll, mit einem Hautschnitt suffizienten Abfluss für die Entzündung zu schaffen. Eine lokale Betäubung ist hierfür meist ausreichend. So wird dem Körper ermöglicht, die Steißbeinfistel vor der eigentlichen Behandlung zu stabilisieren. 

Die richtige und endgültige Behandlung erfolgt nie im akuten Fall! Erst, wenn die Entzündung wieder rückläufig und das umgebende Gewebe wieder stabil ist, kann die weitere Sanierung geplant werden. 

Eine Gabe von Antibiotika ist nur sinnvoll, wenn die Bakterien schon den gesamten Körper befallen haben und du unter Fieber oder erhöhten Temperaturen leidest. Wenn das der Fall ist, kann je nach Schwere des Fiebers auch eine stationäre Aufnahme zur Antibiotikagabe als Tropf (intravenös) notwendig werden, da sich so schnell ein wirksamer Medikamentenspiegel im Blut aufbauen lässt. Eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika ist zu vermeiden, da die Wirkstoffe das Fistelgewebe nicht durchdringen können. Sie erreichen die Bakterien nicht.  

Egal ob der Abszess spontan perforiert ist oder ob der Arzt die Entzündung entlastet hat: Die Wunde sollte zwei- bis dreimal täglich gespült und anschließend sauber verbunden werden. Wenn anfangs vermehrt Sekret aus der Wunde austritt, gibt es hierfür besonders saugfähige Wundauflagen (sogenannte Superabsorber). 

Nachdem sich der akute Zustand beruhigt hat, sollte man die Steißbeinfistel endgültig chirurgisch sanieren. Ein weiterer Versuch, die Operation hinauszuzögern, ist nicht vielversprechend und führt zu zeitnahen, stärker werdenden Schüben. 

Auch bei einer symptomatischen, chronischen Steißbeinfistel kann eine Operation sinnvoll sein. Hier muss man in jedem Fall individuell entscheiden, ob der Leidensdruck aufgrund der Symptome die Risiken des Eingriffs aufwiegt. 

 

Wie erfolgt die endgültige Sanierung der Steißbeinfistel? 

Grundsätzlich gibt es mehrere Formen der Behandlung. 

Bei der herkömmlichen chirurgischen Sanierung wird der Fistelgang von außen mit Blaulösung angefüllt. So besteht keine Gefahr, dass Haarbälger oder Fistelgewebe übersehen werden können. Anschließend wird die gesamte betroffene Region wetzsteinförmig umschnitten. Hierbei entsteht eine große Defektwunde, die bis auf die Knochenhaut des Steißbeins reicht. Bei schweren Verläufen muss ein Teil des Knochens mit entfernt werden. 

 

Die offene Wundbehandlung – sicher und bewährt 

Diese entstandene Wunde kann entweder direkt vernäht werden oder verbleibt offen zur sogenannten »sekundären« Heilung. 

Eine offene Wunde wirkt auf den ersten Blick erschreckend und viele Patienten haben erst einmal Sorge, wie man mit einer solchen Wunde umgehen kann. 

Allerdings ist die offene Wundbehandlung leichter und sicherer, als man zunächst denkt. 

Jede Wundfläche sondert Flüssigkeit ab. Bei einer offenen Wunde kann diese direkt abfließen, wird vom Verbandsmaterial aufgenommen und mit diesem entsorgt. Eine Wunde durchläuft verschiedene Heilungsstadien.  

Über das geeignete Verbandsmaterial berät Dich der behandelnde Arzt. Er kann die Verbandsmaterialien dem jeweiligen Wundstadium anpassen.  

Auch wenn die Wundpflege durch den Patienten alleine gut möglich ist, ist eine regelmäßige Vorstellung beim Arzt oder einem pflegerischen Wundexperten sinnvoll. 

Um einen Sekretstau zu vermeiden, gibt es viele moderne Wundversorgungen, die die Wundflüssigkeit gut ableiten. Bei größeren Fistelherden kann der Arzt einen Schwamm in die Wunde einlegen, über den eine Pumpe das Sekret kontinuierlich absaugt. Diese Wundbehandlung hat hervorragende Ergebnisse und regt die Heilung an, wird aber meist stationär durchgeführt. Deswegen lohnt es sich erst ab einer gewissen Wundgröße, auf eine Vakuumpumpe zurückzugreifen. 

Eine offene Wunde muss nicht völlig keimfrei gehalten werden. Meist wird diese zügig von der gleichen Hautflora besiedelt, die sich auf der normalen Wundumgebung befindet. Das ist nicht nachteilig. Diese Bakterien können sogar einer Übersiedlung mit schädlichen Keimen vorbeugen. 

Daher kann der normale Verbandswechsel gut in der häuslichen Umgebung durchgeführt werden und man ist bis auf eine gelegentliche Wundschau unabhängig von Fachkräften.  

Auch ist eine offene Wunde schnell belastbar. Körperliche Anstrengungen sind bald möglich und stören die Wundheilung nicht. Allerdings können das Wundsekret und die Verbandstoffe hinderlich sein und einem sowohl vom Sport als auch von der Arbeit abhalten.  

Im medizinischen Bereich und bei der Lebensmittelherstellung ist oft aus hygienischen Gründen ein Arbeitseintritt verboten, solange offene Wunden vorliegen. 

Je nach Größe des Defekts kann die offene Wundheilung mehrere Monate beanspruchen. 

 

Der sofortige Wundverschluss ermöglicht eine rasche Heilung 

Wenn das Gewebe völlig reizfrei ist, kann der Arzt die Wunde gleich verschließen. Allerdings sondert auch diese Wunde Flüssigkeit ab. In vielen Fällen kann der Körper diese Wundflüssigkeit wieder aufnehmen und die Wunde heilt normal ab. Trotzdem besteht hier ein deutliches Risiko, dass sich unter der Naht ein Verhalt von Flüssigkeit bildet, der wiederum ein guter Nährboden für Bakterien ist. Das Risiko, dass hier eine neue Steißbeinfistel entsteht, ist deshalb größer als bei der offenen Wundbehandlung. In individuellen Fällen kann man aber versuchen, durch spezielle Nahttechniken eine plastische Veränderung und Abflachung der Gesäßfalte zu erreichen. So sinkt das Risiko einer erneuten Fistelbildung (z.B. Operation nach Limberg oder Z-Lappen-Plastik).  

Da zur Abflachung der Gesäßfalte meist asymmetrische Lappen verwendet werden, wird das geringere Rezidivrisiko durch ein schlechteres kosmetischen Ergebnis erkauft. 

Auch eine direkt vernähte Wunde darf nicht sofort belastet werden. Hier liegt die Zwangspause je nach Größe der Wunde und nach anschließender Belastung bei drei bis vier Wochen. Nach einer plastischen Rekonstruktion kann die Heilung auch länger dauern. Hier ist eine konsequente Einhaltung der Schonung besonders wichtig, um Wundheilungsstörungen vorzubeugen.  

 

Pit-Picking – schonend und schmerzarm 

Die Medizin ist ständig im Fluss. Daher wird auch bei der Steißbeinfistel die Operationstechnik immer weiter entwickelt. 

Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Methode des Pit-Pickings beschrieben. Ausgehend von der Tatsache, dass die Erkrankung von den Haarwurzeln ausgeht, werden diese über kleinste Schnitte herausgestanzt. Anschließend schabt der Chirurg die Fistelgänge aus und entfernt die Abszesshöhle (wenn vorhanden) über einen Extraschnitt seitlich der Gesäßfalte. So werden größere Wunden vermieden, die Schmerzen nach der Operation sind gering und das kosmetische Ergebnis überzeugt. 

Über lange Zeit hinweg war diese Methode lange keine Alternative, da das Risiko einer erneuten Steißbeinfistel erhöht blieb. Chirurgen in Zürich und München verbesserten die Heilungschancen, indem sie den Fistelkanal ganz auslösten, statt ihn nur auszuschaben. 

Seit dem Einsatz der Lasertherapie sind die Nachteile der Pit-Picking Methode nicht mehr relevant. Mit einer schmalen Lasersonde entfernt der Chirurg schonend jegliche Fistelreste.  

 

Heute überzeugt Pit-Picking  

  • durch geringe Schmerzen 

  • rasche körperliche Belastbarkeit 

  • einem guten kosmetischen Ergebnis 

  • einer geringen Rezidivwahrscheinlichkeit. 

 

Was sind die Vorteile der »Laser-Methode«? 

Der Einsatz der Lasertechnik kann sowohl bei der großräumigen Entfernung der Steißbeinfistel als auch beim Pit-Picking erfolgen.  

Sie senkt nachweislich das Rezidivrisiko. Deshalb kommt sie gerne zum Einsatz, wenn nach einer erfolgten Operation wieder eine Steißbeinfistel aufgetreten ist.. 

Mit dem Laser wird im wahrsten Sinne des Wortes das Übel an der Wurzel gepackt, denn er entfernt einfach und schonend die entzündlichen Strukturen und das Fistelgewebe, zerstört die Bakterien und verkleinert den entstanden Hohlraum. Außerdem erfolgt durch die Lasertherapie eine effektive Blutstillung. Ein möglicher Nachteil kann sein, dass nach der Behandlung längerfristig verhärtete Narben in der Gesäßfalte zu spüren sind. 

Grundsätzlich behält jede Behandlung der Steißbeinfistel ein Restrisiko, dass die Erkrankung zurückkehrt.  

Wenn die Operationswunde ausgeheilt ist, kann man das Risiko senken, indem man sich konsequent schonend enthaart und auf seine Körperhygiene achtet.  

Eine endgültige Enthaarung durch eine Kosmetikerin wird nicht von der Kasse übernommen. Trotzdem kann sie eine sinnvolle Alternative sein. 

 

Schwangerschaft und Steißbeinfistel - was tun?

Schwangerschaft und Steißbeinfistel – was tun? 

Die Veränderungen des Körpers in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für die Entstehung eines Sinus pilonidalis!  

Während einer Schwangerschaft ändert sich die Hormonlage des Körpers. Im Verlauf der Schwangerschaft verschiebt und dehnt sich das Becken. Dadurch ändert sich auch die Form der Gesäßfalte.  

Bei vielen Betroffenen stellt sich schon früh die Frage, ob eine Steißbeinfistel Schwierigkeiten im Verlauf der Schwangerschaft machen kann. 

Grundsätzlich kannst du schon während der Familienplanung deine Fragen mit einem Proktologen klären. Je nach Größe der Fistel kann eine geplante Schwangerschaft sogar ein Grund sein, eine blande oder chronische Steißbeinfistel vorsorglich zu operieren. So wird einer Abszessbildung während der Schwangerschaft am sichersten vorgebeugt. 

Aber es ist auch kein Anlass zur Sorge, wenn eine Steißbeinfistel erstmalig während der Schwangerschaft auftritt. 

Natürlich solltest du jede Veränderung zeitnah mit einem Facharzt besprechen. Nicht nur die Mutter leidet unter Schmerzen, wenn es zu einem Abszess kommt. Eine akute oder chronische Entzündung im Körper kann auch für das Kind schädlich sein. 

 

Operationen während der Schwangerschaft - heute risikoarm möglich 

Sollte während der Schwangerschaft eine Operation der Mutter nötig sein, ist es meist ein Schreck für die werdenden Eltern. Ein gutes Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt hilft hier bei der gemeinsamen Entscheidung über das Operationsverfahren.  

Wenn es der Befund erlaubt, sollte auch in der Schwangerschaft ein schonendes Verfahren gewählt werden. Die kurze Zeit der Nachbehandlung und die deutlich geringeren Schmerzen sind von unschätzbarem Wert. 

Auch wenn eine Lokalanästhesie immer zu bevorzugen ist, muss man auch bei einer Vollnarkose keine Angst mehr haben. Die Medikamente sind heute so weit entwickelt, dass in der Schwangerschaft fast keine Risiken beschrieben sind. Wichtig ist, mit dem Anästhesisten und dem Chirurgen die Lagerung während der Operation zu besprechen, denn eine gute Sicht auf die Fistel ist wichtig für den Erfolg des Chirurgen. 

 

Und was kommt nach der Operation? 

Ist die Operation gegen Ende der Schwangerschaft nötig, besprich bitte auch die Nachbehandlung. 

Wenn eine normale Geburt geplant ist, kommt es zu einer Belastung der frischen Operationsnarbe. Eine offene Wunde und eine Narbe nach minimalinvasiver Therapie sind hier deutlich strapazierfähiger als direkt vernähte Wunden.  

Grundsätzlich kann aber jede frische Narbe durch die Anstrengungen einer Geburt wieder aufreißen. Ob deswegen der Gynäkologe einen Kaiserschnitt durchführen sollte, muss im Einzelfall besprochen werden. Dies ist aber sehr selten. 

 

Fazit: 

Die Behandlung einer Steißbeinfistel ist dank modernen Entwicklungen schmerzarm und schonend möglich. 

 

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