Untenrum am Po

Hämorrhoiden

Dr. rer. nat. Erwin Spiegel , Chemiker und wissenschaftlicher Klinikreferent
Zuletzt aktualisiert am: 03.09.2019
Dieser Text wurde nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern auf Richtigkeit überprüft.

Wenn du beim Stuhlgang wiederholt unterschiedlich ausgeprägte Beschwerden am Gesäß hast und das Toilettenpapier oder der Stuhl selbst gelegentlich hellrote Blutspuren zeigen, sind meist Hämorrhoiden verantwortlich. Ob du wegen dieser äußerst unangenehmen Probleme besorgt sein musst, wie die Behandlungsmöglichkeiten aussehen und was du selbst zur Besserung beitragen kannst, beschreiben wir dir hier. 

Hämorrhoiden in Kurzform

Hämorrhoiden in Kurzform

Ein nicht gesellschaftsfähiges Krankheitsbild

Wenn dich Hämorrhoiden quälen, kommst du dir vermutlich recht verlassen vor. Denn kaum jemand spricht offen aus, selbst darunter zu leiden. Männer ohnehin nicht und Frauen eher selten. 

Der Grund dafür ist einfach: Anders als bei Magen- oder Herzbeschwerden sind alle gesundheitlichen Störungen rund um den Darmausgang nicht gesellschaftsfähig. Das gilt keineswegs nur für Deutschland, sondern in allen industrialisierten Ländern weltweit. 

Zwei Drittel aller Menschen sind Kandidaten für Hämorrhoiden

Angesichts dieses einmütigen Verschweigens gewinnst du schnell den Eindruck, als wären Hämorrhoiden ein seltenes Ereignis und nur wenige Menschen davon betroffen. Das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall. 

Sie treten bei rund zwei Dritteln aller Männer und Frauen etwa gleich häufig auf, wobei die Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren den Schwerpunkt bildet. Lediglich während der Schwangerschaft sind Frauen vorübergehend etwas stärker damit behaftet als der Durchschnitt. Mit anderen Worten: Hämorrhoiden tragen alle Merkmale einer typischen Volkskrankheit, auch wenn die große Mehrheit aus Schamgefühl tunlichst dazu schweigt.

Sind blutende Hämorrhoiden bedrohlich?

Nein, deswegen brauchst du nicht besorgt sein. Auch ansteckend sind sie nicht. Wenn ein Arzt eindeutig Hämorrhoiden diagnostiziert hat, ist in aller Regel kein verstecktes Bedrohungspotenzial mehr vorhanden. Das ändert jedoch nichts daran, dass ohne ärztliche Therapie und eigene Maßnahmen die Krankheit über die Jahre hinweg stufenweise voranschreitet.

Hämorrhoiden-Beschwerden sind Teil der Geschichtsbücher

Selbst wenn es dich nicht wirklich tröstet: Du bist historisch gesehen in guter Gesellschaft. Denn schon die Pharaonen litten um 2500 v. Chr. unter quälenden Hämorrhoiden und beschäftigten genau deshalb einen Leibarzt mit dem Titel „Wächter des königlichen Darmausgangs“. Einer war so berühmt, dass sein Name sogar in den Papyrusrollen enthalten ist. Er hieß Iry und gilt heute als Urahn der modernen Proktologie.

Auch die alten Griechen litten unter Hämorrhoiden. Ihr behandelnder Arzt Hippokrates war allerdings etwas weniger feinfühlig als unsere heutigen Mediziner. Beispielsweise benutzte er ein Brenneisen, um Hämorrhoiden zu veröden. Zu seiner Ehrenrettung sei allerdings gesagt, dass er auch damals schon sanftere Methoden kannte. Das zumindest belegt ein von ihm schriftlich überliefertes Rezept für Hämorrhoiden-Zäpfchen. 

Ursachen hämorrhoidaler Beschwerden

Ursachen hämorrhoidaler Beschwerden

Die Anatomie des Enddarms ist „schuld“

Beim Aufbau des Darmausgangs legte die Natur großen Wert darauf, dass kein Darminhalt unkontrolliert entweicht. Geschafft hat sie das mit drei ringförmigen Dichtungen, die von außen nach innen übereinanderliegen.

Der äußere Ring ist der Po-Schließmuskel (Musculus sphincter ani externus), den du willentlich zusammenkneifen kannst. Darunter folgt der innere Schließmuskel, auf den du keinen Einfluss hast. Beide zusammen können den Darmausgang (Anus oder After) aber nicht völlig verschließen. 

Um die verbleibende Öffnung von etwas unter 1 cm abzudichten, gibt es den dritten innersten Ring, der aus schwammartigen Gewebepolstern oder Schwellkörpern besteht. Diese sind von Arterien und Venen, elastischem Bindegewebe und Muskelanteilen durchzogen. Der Körper steuert damit über die einfließende Blutmenge die Feinabdichtung. Es ist das gleiche Prinzip, das du von wassergefüllten Luftballons kennst.

Medizinisch nennt sich dieser Gewebering Hämorrhoidalplexus oder Corpus cavernosum recti. Seine Feinsteuerung zusammen mit der sensiblen Darmhaut (Anoderm) ist so präzise, dass sie sogar zwischen Darmwinden, dünnflüssigem und festem Stuhl unterscheiden kann. Deswegen gelingt es dir auch, Darmgase durchzulassen und den Stuhlgang zurückzuhalten. 

Alle drei Ringe bilden zusammen mit dem Anoderm den Verschlussapparat des Afters. Die anatomische Bezeichnung dafür ist Kontinenz-Organ (Kontinenz: den Darminhalt willentlich zurückhalten).

Wenn der Darmverschluss schwächelt, entstehen Hämorrhoiden

Der störanfälligste Teil des Kontinenz-Organs ist der innerste Gewebering, der ab etwa Mitte dreißig an Spannkraft verliert. Bei häufiger Verstopfung oder regelmäßigem Durchfall drückt sich deshalb bei vielen Menschen ein kleiner Teil der abdichtenden Schwellkörper als Hämorrhoiden aus dem After heraus. Dabei kommt es meist auch zu leichten Haut- oder Gefäßverletzungen und den typischen Blutspuren.

Rein äußerlich sind Hämorrhoiden als unterschiedlich große, rötlich geschwollene Knubbel erkennbar. Aber erst bei auftretenden Beschwerden sprechen die Ärzte vom Hämorrhoidalleiden oder symptomatischen Hämorrhoiden. In der Alltagssprache ist hingegen der einfachere Begriff Hämorrhoiden geläufiger.

Hämorrhoiden haben meist mehrere Ursachen

Beim Entstehen von Hämorrhoiden wirken mehrere Störfaktoren zusammen und schwächen das Kontinenz-Organ. Der Ursachenmix sieht im Wesentlichen so aus: 

  • Natürlicher Verschleiß des abdichtenden innersten Gewebepolsters

  • Ausgedehnte Klo-Zeiten mit ständigem Stuhlpressen führen in den Schwellkörpern zu überschüssigem Bindegewebe (Hyperplasie). Sie verdicken und neigen zu kleinen Entzündungen.

  • Verdauungstechnisch ungesunde Ernährung (arm an Ballaststoffen und Fasern)

  • Tägliche Trinkmenge unzureichend

  • Ständiger Gebrauch von Abführmitteln

  • Deutliches Übergewicht

  • Bewegungsarmut

  • Teils vererbte Schwäche des Verschlussapparats

Nicht zu den Ursachen zählen kalte Sitzunterlagen, scharfe Gewürze, Kaffee oder Alkohol. Sie können jedoch zu vorübergehenden Beschwerden führen, wenn du bereits Hämorrhoiden hast.

Symptome und Schweregrade von Hämorrhoiden

Symptome und Schweregrade von Hämorrhoiden

Die Symptome

Frauen und Männer zeigen bei Hämorrhoiden die gleichen Symptome. Im Wesentlichen kommt es dabei zu folgenden Beschwerdebildern: 

  • Überwiegend hellrote Blutung am Po, sowohl vereinzelt als auch regelmäßig

  • Blutung meist während des Stuhlgangs oder gleich danach

  • Blutungsstärke schwankt von sehr schwach bis gelegentlich tropfend oder spritzend

  • Längere Blutungspausen über Wochen oder Monate möglich

  • Öfters Brennen oder Juckreiz am Po

  • Teils nässender oder leicht stuhlverschmierter Darmausgang

  • Druck- oder Engegefühl im After

  • Vereinzelt Krämpfe im Bereich des Darmausgangs

Die am Po sichtbaren Hämorrhoiden selbst sind schmerzunempfindlich, weshalb du sie auch mit den Fingern problemlos tasten kannst. Deine Schmerzen kommen stattdessen beispielsweise von kleinen Hautrissen (Fissuren), entzündeten Stellen am Po-Ausgang oder Analthrombosen.

Ob deine Beschwerden zweifelsfrei von Hämorrhoiden herrühren, kann nur ein Arzt zuverlässig feststellen, da teils bedrohliche andere Darmerkrankungen ähnliche Beschwerden zeigen.

Die Schweregrade von Hämorrhoiden

Den Schweregrad der Erkrankung beschreiben Ärzte anhand eines international gültigen, vierstufigen Schemas. Dessen Einteilung ist sehr transparent und auch für Patienten nachvollziehbar.

Übersicht der Gradeinteilung und Hauptmerkmale

 
Grad I: Diese meist harmlosen Hämorrhoiden befinden sich noch innerhalb des Enddarms, sind nur leicht geschwollen und von außen nicht sichtbar. Sie sind zudem schmerzlos und noch voll rückbildungsfähig. Bei Mikrorissen durch Verstopfung sind geringe Blutspuren möglich.
 
Grad II: Die Hämorrhoidenknoten sind bereits etwas größer, äußerlich aber nicht ständig sichtbar. Sie treten zwar beim Stuhlgang aus dem After hervor, gleiten dann aber von alleine wieder zurück. Sie sind mit den Fingern tastbar und verursachen unterschiedlich starke Beschwerden. Ohne geeignete Therapiemaßnahmen wirst du sie in der Regel nicht mehr los.
 
Grad III: Diese Stufe ist meist durchweg schmerzhaft. Beim Stuhlgang treten die Gefäßpolster regelmäßig hervor und gleiten vor allem nicht mehr von alleine zurück. Du kannst sie aber noch mit den Fingern in den Enddarm zurückschieben. Gelegentlich können sie sich einklemmen und stärker bluten.
 
Grad IV: In dieser Kategorie bleiben die Hämorrhoiden dauerhaft äußerlich sichtbar und lassen sich auch nicht mehr zurückdrücken. Operationen stehen im Vordergrund. 
Hämorrhoiden bei Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Hämorrhoiden bei Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Typische Beschwerden und deren Ursachen

Treten während einer Schwangerschaft Hämorrhoiden auf, zeigen sich die meisten Probleme im letzten Schwangerschaftsdrittel.

Ein wesentlicher Punkt sind die Hormonveränderungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Verdauungstrakt. Hinzu kommen das ansteigende Bauchvolumen und das heranwachsende Ungeborene, die beide von Monat zu Monat stärker gegen den Darmausgang drücken. Verstopfungen und Stuhlpressen begünstigen ebenfalls die Bildung von Hämorrhoiden.

Neben hämorrhoidalen Beschwerden selbst machen vielen Schwangeren auch Hautreizungen, kleine Risse (Fissuren) oder recht schmerzhafte, jedoch ungefährliche Analvenenthrombosen zu schaffen. Bei einigen Frauen ist es zudem der Geburtsvorgang mit den Presswehen, der Hämorrhoiden begünstig.

Was Schwangere tun können

Leidest du während deiner Mutterschaft und Stillzeit unter den genannten Problemen, gibt es allerdings auch zwei positiven Nachrichten:

  1. Die auftretenden Symptome lassen sich nach Rücksprache mit dem Arzt beispielsweise mit äußerlich anwendbaren Hämorrhoiden-Mitteln wie Cremes, Salben und Zäpfchen oder lokal schmerzstillenden Produkten behandeln. Auf Schmerzmittel zum Einnehmen solltest du in dieser Zeit jedoch verzichten, von ärztlich angeratenen Medikamenten abgesehen.
  2. Erfreulicherweise verschwinden die schwangerschaftsbedingten hämorrhoidalen Beschwerden bei den meisten Frauen nach der Geburt, und zwar vielfach ohne jede Behandlung. Die Fachliteratur gibt dafür eine Zeitspanne von etwa zwei bis sechs Monaten an. 
Behandlung von Hämorrhoiden

Behandlung von Hämorrhoiden

Wegen des anatomischen Aufbaus des Verschlussapparats mit den Schwellkörpern hat jeder Mensch die Anlage zu Hämorrhoiden. Das ist aber problemlos und bedarf keiner Behandlung, solange die Knubbel hinter dem Po-Ausgang „versteckt“ und beschwerdefrei bleiben. 

Gelegentlich sind diese Hämorrhoiden mit Grad I auch ein Zufallsbefund anderer Darmuntersuchungen, beispielsweise wegen eines Reizdarms. Hast du allerdings öfters Beschwerden mit Blutungen am Po, solltest du im ersten Schritt zumindest beim Hausarzt vorstellig werden.

Die Diagnose

Vor der körperlichen Untersuchung wird dich der Arzt zunächst nach Einzelheiten deiner Beschwerden befragen. Dabei interessieren ihn unter anderem dein Stuhlgang, die Körperhygiene, die Essgewohnheiten, die tägliche Flüssigkeitsmenge, sportliche Aktivitäten und deine berufliche Tätigkeit. Wegen möglicher Erbfaktoren wird er auch nach ähnlichen Beschwerden in deiner Familie bis hin zu Darmkrebserkrankungen fragen.

Der für dich und vermutlich peinlichste Teil ist die Blickdiagnose auf den Darmausgang und die anschließende Tastuntersuchung mit dem Finger (medizinisch: Rektal-Palpation). Je nach Erstbefund kommt noch eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) hinzu, für die du eventuell eine Überweisung zum Gastroenterologen erhältst.

Ärztliche Therapiemaßnahmen

Im Vordergrund steht zunächst die Behandlung der Symptome, insbesondere bei leichteren oder mittleren Beschwerden.

In erster Linie kommen hier rezeptfreie Hämorrhoiden-Mittel zum Einsatz. Das sind lindernde Cremes, Salben oder Zäpfchen mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Hamamelis oder Gerbstoffen. Die kosten zwischen circa 10 und 20 Euro und werden von der Kasse nicht bezahlt. Bedarfsweise verordnet der Arzt bei stärkeren Symptomen ergänzend auch rezeptpflichtige Arzneimittel.

Erst im zweiten Schritt und bei anhaltend stärkeren Beschwerden steht die ambulante Beseitigung der Hämorrhoiden zur Diskussion. Dazu gibt es zwei schmerzfreie Methoden:

Eine ist die Verödung oder Sklerosierung. Dazu erhältst du eine Wirkstoffspritze in das Gewebe der Hämorrhoide, wodurch sie in wenigen Tagen schrumpft und vernarbt. Die andere ist die Gummibandligatur. Hier schnürt der Arzt die Hämorrhoide mit einem Gummiband ab, wodurch sie in kurzer Zeit abstirbt und abfällt.

Bei den Schweregraden III und vor allem IV rücken jedoch zunehmend Operationen in den Vordergrund. Sie sind in der Regel mit einem kurzen Klinikaufenthalt und vorübergehenden Folgeschmerzen verbunden. 

Sowohl bei ambulanten wie stationären Maßnahmen verlaufen die Behandlungen heute erfolgreich und meist komplikationsfrei. Du musst aber stets damit rechnen, dass nach einigen Jahren erneut Beschwerden auftreten können. 

Selbsthilfe und Vorsorge

Selbsthilfe und Vorsorge

Hämorrhoiden, die Darmfunktion und der persönliche Lebensstil hängen eng zusammen. Du kannst deshalb bei den Themen Selbsthilfe und Vorsorge mit einer sehr positiven ärztlichen Resonanz rechnen. Zu einer deutlichen Besserung verhelfen dir insbesondere diese Maßnahmen:

  • Analhygiene nur ohne Seife und Duschgels

  • Mehr natürliche, faser- und ballaststoffreiche Nahrungsmittel

  • Weitgehender Verzicht auf Süßwaren und gesüßte Fertiggetränke (macht den Darm träge)

  • Täglich ausreichend trinken (2 bis 2,5 Liter), vorzugsweise Wasser und ungesüßte Tees

  • Auf Abführmittel verzichten

  • Möglichst kurze Toilettenzeiten (ca. 3 min) und nicht Nachpressen

  • Regelmäßig bewegen, idealerweise fünfmal 30 Minuten wöchentlich

  • Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduzierung den Druck auf den Darm verringern 

Zu diesen Empfehlungen ergänzend noch einige Hinweise:

Analhygiene:

Auf käufliches, feuchtes Toilettenpapier verzichten, da produktionsbedingt hautreizende Restmengen von Chemikalien nie ganz auszuschließen sind. Zum Säubern des Analbereichs stets nur klares, handwarmes Wasser ohne jeden Zusatz verwenden. 

Haut- und Wundschutz:

Für die anschließende Hautpflege empfehlen Fachärzte Babywundcremes. Was die zarte Säuglingshaut schützt, hilft auch dir. Ist deine Haut stärker geschädigt, erhältst du in der Apotheke rezeptfreie Cremes und Salben mit pflanzlichen Gerbstoffen wie Tannin oder Hamamelis. Die ziehen die nässende Haut zusammen und fördern die Abheilung. Alternativ kannst du auch Teebaumöl auftragen, das die gleiche Wirkung hat.

Zusätzlich gibt es rezeptfreie, äußerlich anwendbare Schmerzmittel als Salben oder Zäpfchen. Sie sind jedoch nur für die kurzzeitige Verwendung gedacht. 

Stark tropfende oder spritzende Blutungen kommen gelegentlich vor und machen dir mit Sicherheit Angst. Sie sind aber nicht bedrohlich, sofern du ärztlich bestätigt „nur“ unter Hämorrhoiden leidest. Insbesondere besteht in aller Regel keine Verblutungsgefahr, da nur kleinere Gefäßverletzungen vorliegen.

Und so hilfst du dir am besten: Die Blutung zunächst mit trockenen Papier- oder Stofftüchern aufnehmen. Dabei nur tupfen, nicht reiben. Danach mit einem in ein Tuch eingelegten Eis- oder Kältebeutel die betreffende Hautregion kühlen. Das zieht die Blutgefäße wieder zusammen. Abschließend die blutverklebten Hautstellen mit klarem Wasser ohne Zusätze reinigen und bedarfsweise Hämorrhoidensalbe auftragen. 

Ballaststoff- und faserreiche Nahrungsmittel

Ballaststoffreiche Ernährung mit frischen Lebensmitteln und weniger Fertigprodukten sorgt für einen gut gleitfähigen, aber nicht zu weichen Stuhl. Genau das fehlt deinem Darm. 

Schon innerhalb von ein bis drei Tagen helfen dir gemahlene Flohsamenschalen. Dieses natürliche Heilmittel zählt zu den bewährtesten faserreichen Ballaststoffen und ist auch in den ärztlichen Leitlinien aufgeführt. Flohsamen gibt es überall für circa 5 bis 10 Euro pro 250 g. Davon verrührst du morgens zwei gestrichene Teelöffel in 200 bis 250 ml Wasser, trinkst das gleich und anschließend ein zweites Glas reines Wasser hinterher. 

Tägliche Trinkmenge

Das Flüssigkeitsvolumen von 2 bis 2,5 l brauchst du, damit dein Darminhalt nicht zu stark eindickt und keine Verstopfung entsteht. Deinen Morgenkaffee und dein Mittagssüppchen darfst du natürlich mitzählen.

Regelmäßige Bewegung

Unserem Darm ist der moderne, meist bewegungsarme Lebensstil zuwider. Dagegen wehrt er sich mit Blähungen und Verstopfungen. Daher solltest du dich wieder regelmäßig bewegen, ohne sportlich zu übertreiben. 

Am besten beginnst du damit, am Arbeitsplatz alle Treppen zu laufen (aufwärts und abwärts) sowie Aufzüge strikt zu meiden. Perfekt wäre eine tägliche Gehstrecke im Alltag von 8.000 bis 10.000 Schritten. Einkäufe oder Hausarbeit zählen natürlich mit. Alternativ bieten sich Sportarten mit gleichmäßigem Bewegungsablauf wie Schwimmen, Radfahren oder Walking an.

Fazit

Hämorrhoiden sind äußerst unangenehm und belastend, aber nicht bedrohlich. Das Kernproblem besteht darin, dass die Erkrankung unbehandelt über die Jahre hinweg stetig voranschreitet.

Die ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten umfassen im Wesentlichen die Linderung der Symptome und bedarfsweise die ambulante oder stationäre (chirurgische) Entfernung der Hämorrhoiden. 

Die Patienten können durch eigene Maßnahmen wesentlich dazu beitragen, ihre Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder zu stoppen. Im Mittelpunkt steht dabei die Wiederherstellung einer natürlichen und gesunden Darmfunktion.

Weiterlesen

Quellen:

  • Kirsch, J./Grimm, B. (2004): Die konservative Hämorrhoidenbehandlung. Enddarmzentrum Mannheim. Springer
  • Lange, J./Molle,B./Girona, J. (2005): Chirurgische Proktologie. Springer
  • Rohde, H. (2007): Lehratlas der Proktologie. Springer
  • S3-Leitlinie 081/007: Hämorrhoidalleiden. Stand 04/2019

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