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Afterjucken: Woran liegt's, was hilft?

Zuletzt aktualisiert am: 05.09.2019

Afterjucken ist ein sehr unangenehmes Symptom, das von Betroffenen oft als belastender empfunden wird als Schmerzen. Denn der Leidensdruck ist nicht nur körperlich: Juckreiz in der Analgegend ist auch psychisch belastend.  Die lästigen Beschwerden können dabei viele Ursachen haben. Ein kurzzeitiger, einmaliger Juckreiz ist normal und bedarf noch keiner Behandlung. Bei regelmäßig auftretenden oder länger anhaltenden Beschwerden über mehrere Wochen bis Monate steigt jedoch der Leidensdruck. Vor allem nachts kann der Juckreiz quälend sein: Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Stress senken die Lebensqualität. Wie du das lästige Symptom wieder loswirst, erfährst du in diesem Artikel.

Da Juckreiz oft mit Schmutz in Verbindung gebracht wird, empfinden viele Menschen Scham und reagieren mit vermehrter Analhygiene. Diese reizt die Haut zusätzlich und kann in einen Teufelskreis führen: Übertriebene Reinigung und Pflege kann die Haut schädigen und daher den Juckreiz verstärken. In diesen Fällen steigern die Patienten die Frequenz der Analhygiene bis in den schädlichen Bereich. 

Daher sollte bei Symptomen, die mehrere Wochen oder Monate anhalten, ein Arzt aufgesucht werden. Aber auch, wenn die Beschwerden sehr stark sind, wenn der Nachtschlaf leidet oder wenn du den Juckreiz nicht mehr alleine durch Reiben lindern kannst und Hilfsmittel wie Tücher und Bürsten verwendest, solltest du einen Arzt aufsuchen. 

Ursachen und Grunderkrankungen bei Afterjucken

Ursachen und Grunderkrankungen bei Afterjucken

Wer bekommt Afterjucken? 

Es werden nur die wenigsten Fälle von Afterjucken bekannt. Obwohl es klar bewiesen ist, dass nur selten die Ursache für den unangenehmen Kratzdrang in Hygienefehlern liegt, ist die Hemmschwelle sehr hoch, einen Arzt aufzusuchen. Die medizinische Forschung schätzt, dass zwischen einem und fünf Prozent der Bevölkerung zeitweise Juckreiz im Afterbereich haben, wobei Männer zwei- bis viermal häufiger betroffen sind als Frauen. Es gibt einen Altersgipfel in der Kinderzeit, einen zweiten zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. 

Da sich die Behandlung sich an der Ursache der Beschwerden ausrichten sollte und da auch schwerwiegende Erkrankungen Juckreiz hervorrufen, sollte vor der eigentlichen Therapie eine sorgfältige Diagnostik stehen. Es empfiehlt sich, bei Afterjucken einen Facharzt für Proktologie aufzusuchen. Die Zusatzbezeichnung »Proktologie« zeigt eine besondere Kenntnis der Enddarmerkrankungen und wird meist von Chirurgen, Internisten und Dermatologen erworben. Da der Juckreiz als Symptom zunächst die Haut betrifft, empfiehlt sich der Besuch bei einem proktologisch kundigen Dermatologen.

Generelle Ursachen für Afterjucken

Bei einem kurzfristigen, milden Kratzdrang am After ist noch keine weitere Diagnostik erforderlich. Oft stehen bei diesen kleinen Beschwerden Allergien, Nahrungsmittelreaktionen oder Hautirritationen im Vordergrund. Der Juckreiz wird durch ein feuchtes Milieu im Analbereich verstärkt. Da die Haut auf Feuchtigkeit vor allem bei Wärme reagiert, ist der Juckreiz nachts im warmen Bett besonders lästig. 

Grundsätzlich können die Ursachen eingeteilt werden in Einwirkungen von außen, chirurgische Erkrankungen, internistische Erkrankungen und Hautkrankheiten.

Äußere Einwirkungen als Ursache für Afterjucken

  • Die häufigste exogene Ursache von analem Juckreiz ist eine Hautirritation durch aggressiven Stuhl, der bei Durchfall oder nach dem Genuss von scharfen oder abführenden Nahrungsmitteln auftreten kann. Zitrusfrüchte, Koffein und Alkohol können ebenfalls AUslöser sein. Auch Schokolade oder Salz können die Beschwerden verstärken. 
  • Das Vorurteil, dass Juckreiz ein Zeichen von schlechter Hygiene ist, trifft nur in seltenen Fällen zu. Häufiger ist eine Hautreizung durch häufiges Auswaschen und Seifen, die den Säureschutzmantel der Haut angreifen. Auch feuchtes Toilettenpapier kann durch Duft- und Konservierungsstoffe Allergien hervorrufen. 

Chirurgische Ursachen für Afterjucken

  • Jede Grunderkrankung, die ein feuchtes Milieu in der Gesäßfalte nach sich zieht, bewirkt dadurch Hautirritiationen mit vermehrtem Juckreiz. Störungen des Kontinenzorgans führen dazu, dass das Sekret, das von der Darmschleimhaut gebildet wird, nicht mehr gehalten werden kann. Der Patient verspürt ein permanentes Nässen im Analbereich.  
  • Auch die Hämorrhoiden sind eigentlich Teil des Kontinenzapparats. Wenn sich diese vergrößern, kann der Feinverschluss das Sekret nicht mehr halten. Deshalb ist Juckreiz auch ein Symptom der vergrößerten Hämorrhoiden. Bei einem chronischen Darm- oder Aftervorfall kommt Schleimhaut vor dem Schließmuskel zu liegen und verursacht ein feuchtes Milieu der Analhaut. 
  • Entzündliche Erkrankungen wie Abszesse oder Fisteln können ebenfalls nässen. Hier hilft in vielen Fällen nur eine Operation, um die Ursache des Juckreizes zu beheben. Auch schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs oder dessen Vorstufen können jucken und brennen.  

Internistische Ursachen für Afterjucken

  • Neben einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) ist eine Niereninsuffizienz eine häufige Ursache für Juckreiz, der sich am ganzen Körper, aber auch lokal am After zeigen kann. 
  • Seltener sind Leber-, Blut- oder Schilddrüsenerkrankungen schuld an der nächtlichen Qual. Dass Erkrankungen, die mit einem chronischen Durchfall einhergehen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), das Risiko für Afterjucken erhöhen, erklärt sich von selbst. 
  • Ein gestörtes Immunsystem kann ebenso Juckreiz verursachen wie verschiedene Infektionserkrankungen. 

Hautkrankheiten als Ursache für Afterjucken

  • Der Juckreiz geht oft mit einer ekzematösenVeränderung der Haut einher. Aber umgekehrt können auch dermatologische Erkrankungen die Ursache von analem Kratzzwang sein. Ein Befall der Analfalte mit Neurodermitis kann quälende Beschwerden hervorrufen.
  • Eine Psoriasis (Schuppenflechte) in der Gesäßfalte juckt ebenfalls (im Gegensatz zu den meisten anderen Arten und Lokalisationen der Schuppenflechte).
  • Seltene dermatologische Erkrankungen wie Lichen ruber oder Autoimmunerkrankungen müssen bei der Diagnose genauso berücksichtigt werden wie sexuell übertragbare Erkrankungen oder Pilzinfektionen.
  • Allergien und Medikamentennebenwirkungen werden ebenfalls am besten durch einen Hautarzt behandelt. 

Afterjucken bei Kindern 

  • Bei Kindern ist der Madenwurmbefall einer der häufigsten Gründe für Juckreiz. Der Juckreiz bei einem Befall mit Würmern tritt vor allem nachts auf. Die Wurmeier werden oft durch unbewusstes, nächtliches Kratzen am After und anschließendem Fingernuckeln immer wieder neu aufgenommen, so dass sich die Erkrankung selbst erhält.  
  • Der Anteil an Kindern mit Allergien und Neurodermitis ist ebenfalls erhöht. 
  • Bei Mädchen kann die unmittelbare Nähe der Scheide mit ihrer pH-neutralen Flora zu Infektionen führen, die zwischen der Scheide und dem After pendeln und sich ebenfalls auf diese Weise selber erhalten. 
  • Aber auch psychische Ursachen sollten bei kindlichem Juckreiz ausgeschlossen werden. 
Diagnostik bei Afterjucken

Diagnostik – wie findet der Arzt heraus, was meinen Juckreiz verursacht? 

Zunächst wird sich der Proktologe sorgfältig mit Dir unterhalten. Bereits aus deinen Angaben lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Beschwerdeursache ziehen. Daher ist es wichtig, folgende Fragen beantworten zu können: 

  • Wann tritt der Juckreiz auf (tags/nacht)? 
  • Ist der Juckreiz wetterabhängig? 
  • Ist der Juckreiz abhängig vom Stuhlgang? Wenn ja, wie ist der zeitliche Zusammenhang? 
  • Wie oft hast du derzeit Stuhlgang und wie ist die Konsistenz? 
  • Was hast du in den letzten Tagen gegessen? 
  • Welche Medikamente hast du in der letzten Zeit eingenommen, welche davon regelmäßig? 
  • Welches Klopapier verwendest du? 

Anschließend wird der Proktologe sich die Haut im Umfeld deines Afters betrachten. Dann schließt sich eine körperliche Untersuchung mit dem Finger und mit dem Endoskop an. Das klingt primär unangenehm, ist aber ohne Belastung ambulant durchführbar und tut nicht weh. 

Bei begründetem Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung kann auch eine Probe aus dem juckenden Bezirk entnommen werden. Diese wird vom Pathologen feingeweblich untersucht. Auch hieraus werden wertvolle Schlüsse zur Ursache der Beschwerden gezogen. Weiter Diagnostik- und Therapieschritte können nach Vorliegen der Ergebnisse geplant werden. 

Kristallisiert sich eine Ursache für deine Beschwerden heraus, wird natürlich die Diagnostik in diese Richtung weitergeführt. Hierzu werden eventuell auch weitere medizinische Fachdisziplinen mit einbezogen. 

Behandlung bei Afterjucken

Behandlung bei Afterjucken

Bei einem kurzen Juckreiz in der Analgegend ist eine Vorstellung beim Arzt meist unnötig. Zunächst sollte man sein Verhalten während der letzten Tage reflektieren. Wenn du in der letzten Zeit mehr scharfe Speisen, mehr Zitrusfrüchte oder andere reizende Nahrungsmittel zu Dir genommen hast, ist eine Diätumstellung der erste Schritt zur Besserung. Auch andere Lebensumstände, ein Wechsel des Waschmittels oder der Pflegeprodukte können deine Beschwerden mit verursacht haben. Wenn Dir eine mögliche Ursache auffällt, kannst du als diese als Erstes beseitigen. Wechsle für die Dauer der Symptome auf leichte, atmungsaktive Unterwäsche aus reiner Baumwolle. 

Was kann ich selber tun, um die Beschwerden zu lindern? 

Eine Änderung der Toilettenhygiene führt ebenfalls meist zur Linderung der Symptome. Vermeide Feuchttücher zur Reinigung. Nach dem Stuhlgang ist eine Dusche mit reichlich klarem Wasser die schonendste Reinigung und säubert den After ohne mechanischen Reiz. Wichtig ist es, nicht in eine übertriebene Hygienehaltung zu verfallen, da eine zu häufige Reinigung die Haut zusätzlich schädigt, den Säuremantel reduziert und Schmerzen bereitet. 

Auch Cremes und Lotionen sollten zunächst abgesetzt werden. Statt Pflegeprodukten mit einem hohen Wassergehalt empfehlen sich fetthaltige Salben. Zinksalbe trägt zur Reduktion von schädlichen Bakterien bei und schützt die Haut gegen ein feuchtes Milieu. Am besten sollte das Pflegeprodukt keine zusätzlichen Duft- und Konservierungsstoffe beinhalten. Wenn Dir die Zinksalbe zu schmierig ist, kann reine Vaseline eine gute Alternative sein. 

Eine in die Gesäßfalte eingeführte Kompresse wird oft als angenehm empfunden, da sie die Reibung im Analbereich reduziert und Feuchtigkeit aufsaugt. Sie kann mit der Salbe gemeinsam verwendet werden. 

Die früher oft empfohlenen Sitzbäder werden heute eher vermieden, weil die Haut durch die lange Feuchtigkeit zusätzlich aufgeweicht wird und Bakterien leicht Eingang in die Haut finden. Wie bereits oben beschrieben sind Spülungen mit klarem Wasser die reizärmere und schonendere Alternative. 

Hausmittel bei Afterjucken

  • Zur lokalen Linderung der Symptome kannst du einen Beutel Schwarztee mit heißem Wasser übergießen und auf Hauttemperatur auskühlen lassen. Wenn du den Beutel wie eine Kompresse für ein paar Minuten vor den After legst, beruhigen die enthaltenen Gerbstoffe die Haut. Der Schwarztee reduziert Hautschädigungen, die durch Feuchtigkeit entstanden sind und führt deshalb oft zu einer raschen Besserung. 
  • Aloe Vera ist als Alleskönner in der Behandlung von Ekzemen bekannt. 
  • Ringelblumensalbe kann unterstützend zur Hautpflege eingesetzt werden. Auch Teebaumöl beruhigt die Haut und wirkt entzündungshemmend. Allerdings sollten diese Wirkstoffe nur angewandt werden, wenn sicher keine Allergie darauf bekannt ist. 
  • Die Wirkstoffe in der Kamille hemmen (oder verhindern) zwar eine lokale Entzündungsreaktion, sind aber mittlerweile als mögliche Allergieauslöser erkannt worden. 

Wenn der Juckreiz länger besteht, solltest du einen Arzt aufsuchen. 

Mein Kind sagt, sein Po juckt. Was kann ich tun?

Mein Kind sagt, sein Po juckt. Was kann ich tun?

Natürlich sollte auch bei länger andauerndem Juckreiz beim Kind eine Vorstellung beim Arzt erfolgen. Grundsätzlich kannst du aber auch vor dem Arztbesuch einen Blick auf den After deines Kindes werfen. Die oben beschriebenen Therapien zur Soforthilfe, die keine Wirkstoffe enthalten, sind grundsätzlich auch im Kindesalter möglich. Vor dem Einsatz auch von pflanzlichen Wirkstoffen sollte der Kinderarzt befragt werden. 

Der Bereich um den After spielt im Kleinkind- und Kindesalter jedoch psychologisch eine bedeutende Rolle. Daher solltest du mit deinem Kind eine Kontrolle durch dich selber oder einen anstehenden Arztbesuch ausführlich besprechen, um es auf eine Untersuchung seines Pos vorzubereiten. Es ist wichtig, deinem Kind zu vermitteln, dass eine (ärztliche) Untersuchung in einem intimen Bereich notwendig ist, über den aber prinzipiell nur das Kind selber zu entscheiden hat. 

Fallen dir bei der Untersuchung kleine, bewegliche, weiße Würmer auf, liegt ein Madenwurmbefall (Oxyurien) vor. Hier kann der Arzt ein Medikament zur Abtötung der Würmer verschreiben. Wichtigste Therapie ist hier aber eine Unterbrechung der fäkal-oralen Übertragung, also den Transport der Wurmeier vom After zum Mund. Regelmäßiges Waschen der Hände, vor allem nach dem Stuhlgang, ist der wichtigste Pfeiler der Therapie. 

Ich bin schwanger und mein Po juckt. Was kann ich tun?

Ich bin schwanger und mein Po juckt. Was kann ich tun?

Durch die Veränderungen des Körpers in der Schwangerschaft wird die Gesäßfalte verschoben, was zu einem erhöhten Risiko für Juckreiz in der Analgegend führt. Vor allem im Sommer kann durch verstärktes Schwitzen ein feuchtes Milieu in der Aftergegend entstehen, das quälenden Kratzdrang hervorrufen kann. Daher ist es sinnvoll, bereits vor dem Auftreten von Symptomen auf eine konsequente, aber nicht übertriebene Analhygiene zu achten. Die oben genannten Therapien zur Soforthilfe wie Zinksalbe, Vaseline und Kompresseneinlage sind in der Schwangerschaft auch prophylaktisch sinnvoll.  Vor der Anwendung von wirkstoffhaltigen Medikamenten ist es sinnvoll, den Gynäkologen zu befragen. Auch pflanzliche Wirkstoffe sollten nicht ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt verwandt werden. 

Fazit 

  • Juckreiz im Analbereich ist ein quälendes, aber oft harmloses Symptom und hat nichts mit geringen Hygienestandards zu tun. 
  • Wenn der Juckreiz zu stark wird, vor allem nachts den Körper und die Psyche belastet oder über mehrere Wochen anhält, berät dich dein Arzt bei der weiteren Diagnostik und Therapie. 

 

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Quellen:

Service

Symbolbild: Analekzem

Analekzem

Ein Analekzem tritt häufig in Folge anderer ERkrankungen im Analbereich auf und zeigt sich durch Hautveränderungen im betroffenen Gebiet begleitet von starkem Juckreiz.

Marisken am Po

Marisken sind harmlose Hautwucherungen am Po, die sich durch Juckreiz, nässende Haut und stechenden Schmerzen in der betroffenen Region äußern können. Mehr Informationen, wie Marisken behandelt werden können, findest du hier. 

Hämorrhoiden

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